Diakonie eröffnet integratives Realgymnasium als Wiener Mittelschule

Chalupka: „Eine Schule für alle Kinder“

Wien (epd Ö) – In Wien-Donaustadt hat die „Diakonie Bildung“ am Montag, 6. September, ein neues Realgymnasium eröffnet, das nicht nur nach dem Modell der „Wiener Mittelschule“, sondern auch integrativ geführt wird. „Wir setzen mit dieser Schule um, wofür wir uns in der Schulpolitik seit langem einsetzen: eine Schule für alle Kinder, die individuell fördert und sowohl pädagogisch als auch architektonisch einem inklusiven Konzept folgt. Das heißt, eine attraktive Schule für Eltern aller sozialen Schichten zu machen, die auch Kindern mit Behinderungen, sozialen Benachteiligungen und besonderen Begabungen gerecht wird“, betont Diakonie-Direktor Michael Chalupka in einer Aussendung.
Das „Evangelische Realgymnasium Donaustadt – Wiener Mittelschule“ startet mit 18 SchülerInnen, darunter ein Kind mit Autismus. Vorerst wird die erste Klasse in einem provisorischen Gebäude in der Maculangasse untergebracht. Im Herbst 2014 soll die Schule im Stadterweiterungsgebiet, nahe der U1-Station Aderklaaer Straße, fertiggestellt werden. Die Planung des Gebäudes, das ein geeignetes Umfeld für moderne Unterrichtsformen bieten soll, wird von der TU Wien begleitet.

Einzigartig in der Schullandschaft ist die inhaltliche Positionierung des „Evangelischen Realgymnasiums Donaustadt – Wiener Mittelschule“: Gewählt werden kann aus den Zweigen „Kultur und Gesellschaft“, „Ökologie und Umwelt“ und ab September 2011 im Oberstufenrealgymnasium auch „Popular- und Weltmusik“. Selbstverständlich bietet die Schule Nachmittagsbetreuung und Mittagessen an. Anmeldungen für das aktuelle Schuljahr sind noch möglich.

Zu Schulanfang erneuerte Diakonie-Direktor Michael Chalupka seine Forderung nach einem „integrativen Bildungssystem auf allen Ebenen“. Die in den 1980er Jahren begonnene schulische Integration sei zum Stillstand gekommen. Gemeinsam mit der Lebenshilfe fordert die Diakonie daher einen Plan für die Umsetzung eines integrativen Schulsystems, zu dem sich Österreich mit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichtet habe. „Eine Schule für alle bietet auch Vorteile für alle“, ist Chalupka überzeugt. „Projektbasiertes Arbeiten in Kleingruppen und Teamarbeit sind Fähigkeiten, die heutzutage von jedem Unternehmen eingefordert werden.“ Darum sei inklusive Bildung auch für Kinder ohne Behinderungen „unerlässlich“.

Noch immer wird laut österreichischem Bildungsbericht die Hälfte aller Kinder mit so genanntem „sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF)“ in Sonderschulen unterrichtet, das sind mehr als 13.000 Kinder. Zudem sind die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern enorm, die Bandbreite reicht von über 80 Prozent aller Kinder mit SPF in Integrationsklassen bis hin zu nur etwa 30 Prozent.

Weitere Informationen: http://schulen.diakonie.at/

ISSN 2222-2464