Diakonie: 100.000 Menschen ohne Krankenversicherung

Die medizinische Ambulanz AmberMed, die Menschen ohne Krankenversicherung gratis versorgt, feierte in diesen Tagen ihr zehnjähriges Bestehen. Foto: epd/Uschmann
Die medizinische Ambulanz AmberMed, die Menschen ohne Krankenversicherung gratis versorgt, feierte in diesen Tagen ihr zehnjähriges Bestehen. Foto: epd/Uschmann

Soziale Einrichtung AmberMed feiert zehnjähriges Jubiläum

Wien (epdÖ) – Die medizinische Ambulanz AmberMed, die Menschen ohne Krankenversicherung gratis versorgt, feierte in diesen Tagen ihr zehnjähriges Bestehen. Laut Schätzungen der Diakonie leben in Österreich zirka 100.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Das heißt, ihr Zugang zu Krankenversorgung ist von staatlicher Seite nicht gewährleistet.

Die Einrichtung AmberMed, ein Gemeinschaftsprojekt des Diakonie Flüchtlingsdienstes und des Österreichischen Roten Kreuzes, bietet seit zehn Jahren medizinische Versorgung und soziale Beratung für Menschen ohne Krankenversicherung in Wien. Während im ersten Arbeitsjahr 2004 370 Menschen eine Behandlung in Anspruch nahmen, waren es fünf Jahre später bereits 832 PatientInnen. Im vergangenen Jahr 2013 nahmen rund 1800 Frauen, Männer und Kinder die Hilfe von AmberMed in Anspruch, berichtet die Diakonie in einer Aussendung. „Wahrscheinlich wissen nur wenige in Österreich, dass es in unserem gut funktionierenden Sozialstaat eine so große Zahl von Menschen ohne Versicherungsschutz gibt“, so Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. „Die medizinische Versorgung könnte ohne die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit von zahlreichen ÄrztInnen nicht geleistet werden“, verdeutlicht Carina Spak, Leiterin der Ambulanz.

In den vergangenen zehn Jahren boten 222 AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen gratis Behandlungen an. Der Leitgedanke der Hilfestellung für alle PatientInnen jenseits von politischen und ökonomischen Grenzen sei für AmberMed grundlegend. Gearbeitet werde mit DolmetscherInnen, die ebenso wie die ÄrztInnen ihre Leistungen unentgeltlich zur Verfügung stellen. „Nicht selten erkranken die PatientInnen von AmberMed an ihren schlechten Lebensbedingungen in Österreich. Armut, unzumutbare Wohnsituationen, mangelnde Perspektive und soziale Ausgrenzung machen sie krank“, betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Den Menschen, die nicht versichert sind, ist gemeinsam, dass sie geringes Einkommen haben. Für viele ist der mangelnde Krankenversicherungsschutz kurzzeitig, für manche dauerhaft. Davon betroffen sind Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen in schweren psychischen Krisen, Arbeitssuchende ohne Leistungsanspruch, Flüchtlinge und MigrantInnen, ehemalige Selbständige und Hilfesuchende, die ihren Sozialhilfeanspruch aus Scham nicht einlösen. AmberMed braucht weiterhin ehrenamtliche MitarbeiterInnen und – wie in den ersten zehn Jahren – finanzielle Unterstützung durch Spenden (Diakonie Flüchtlingsdienst: Erste Bank, IBAN: AT97 2011 1287 2204 5678 – Spendenzweck: AmberMed)

ISSN 2222-2464