Charles Ofoedu in Schubhaft

Festnahme erfolgte im Evangelischen Pfarrhof Währing – Abschiebung aus Österreich droht

Wien, 14. November 2001 (epd Ö) Der nigerianische Schriftsteller Charles Ofoedu ist am Sonntag in Schubhaft genommen worden. Die Festnahme durch die Fremdenpolizei erfolgte im Evangelischen Pfarrhof Wien-Währing, Ofoedu war Gast des Währinger Pfarrers Mag. Manfred Golda.

Der nigerianische Schriftsteller, der als einer der Hauptverdächtigen im Zusammenhang mit der Drogen-Razzia „Operation Spring“ galt, war im Oktober 2000 wegen Geldwäsche verurteilt und in zwei weiteren Anklagepunkten freigesprochen worden. Die ursprünglichen Verdachtsmomente hatten sich als nicht haltbar erwiesen. Weil Ofoedu für zwei seiner Landsleute Geldüberweisungen durchgeführt, jedoch nicht nach der Herkunft des Geldes gefragt hatte – das Geld stammte aus dem Drogenhandel – wurde er wegen Geldwäsche bedingt verurteilt. Laut Innenministerium besteht seit Anfang September ein Aufenthaltsverbot.

Empört über die Festnahme zeigte sich der Währinger Pfarrer Mag. Manfred Golda. Die Festnahme sei trotz einer Ende Oktober eingebrachten Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof erfolgt. Golda befürchtet, dass durch die Abschiebung Ofoedus vollendete Tatsachen geschaffen werden könnten. Es sei fraglich, ob die Bestimmung, dass Verurteilte keine weitere Aufenthaltsbewilligung erhalten, auch für bedingt Verurteilte gelte. Sollte Ofoedu abgeschoben werden, drohe ihm ein abermaliger Prozess für dasselbe Delikt, was nicht rechtskonform sei.

Seine Erfahrungen mit der Polizei hat der nigerianische Schriftsteller in dem im Vorjahr im Verlag Mandelbaum erschienenen Buch „Morgengrauen“ festgehalten.

ISSN 2222-2464