Brückenbauer, Europäer, medialer Glücksfall

Bischof Michael Bünker mit seiner Gattin Irene beim Festabend zu seinem 60. Geburtstag. Foto: epd/Uschmann
Bischof Michael Bünker mit seiner Gattin Irene beim Festabend zu seinem 60. Geburtstag. Foto: epd/Uschmann

Kirche feierte 60. Geburtstag von Bischof Bünker

Wien (epdÖ) – Mit einem großen Fest feierte die Evangelische Kirche A. und H.B. den Geburtstag des evangelisch-lutherischen Bischofs Michael Bünker. Zahlreiche Gäste aus den Evangelischen Kirchen, der Ökumene und den Religionsgemeinschaften, der Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft kamen am Mittwochabend ins Albert Schweitzer Haus Wien, um Bischof Bünker, der am 26. April 60 Jahre alt wurde, zu gratulieren.

„Du trittst als geistlicher Mahner auf und sorgst für die Verkündigung des Evangeliums“, erklärte Peter Krömer, Präsident der Synode A.B. sowie der Generalsynode bei dem Fest. „Du bist dir auch nicht zu gut, um in kleinen Predigtstationen Gottesdienste zu feiern“, so der Synodenpräsident weiter. Der emeritierte römisch-katholische Weihbischof Helmut Krätzl gratulierte Bünker, mit dem er viele Jahre etwa im Bereich Schule oder in der katholisch-evangelischen Kommission zusammengearbeitet hat. Hier sei auch Raum für kontroverse Diskussionen gewesen. „Man hat sich die Meinung nie verschwiegen, aber mit Bischof Bünker immer nach einem Konsens gesucht.“ Nationalratspräsidentin Barbara Prammer lobte Bünker für seinen Einsatz für die Aufarbeitung der NS-Zeit, auch in der eigenen Kirche. „Bischof Bünker erhebt immer dann die Stimme, wenn es in der Gesellschaft notwendig ist“, so Prammer. „Wir harmonisieren nicht erst, seit wir gemeinsam musizieren, sondern bereits zuvor haben wir viele harmonische Gespräche geführt und harmonische Aktivitäten gesetzt“, würdigte Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg den lutherischen Bischof.

Bei mehreren Gesprächsrunden wurde ein buntes und vielfältiges Bild von Bischof Michael Bünker gezeichnet. „Wir sind zwei Menschen mit selber Wellenlänge. Uns verbindet eine Freundschaft“, so Christine Mann, Leiterin des erzbischöflichen Amts für Unterricht und Erziehung. Tarafa Baghajati strich hervor, dass Bünker sich immer auch für die Muslime im Land starkgemacht habe. „Muslime und Protestanten haben eine ähnliche Geschichte in Österreich. Als vor ein paar Jahren die Minarett-Debatte aufkam, war Bischof Bünker der Erste, der sich dafür eingesetzt hat, dass Religion einen Platz im öffentlichen Raum hat. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Auf Bünkers Engagement in der innerevangelischen Ökumene machte der evangelisch-methodistische Superintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich Lothar Pöll aufmerksam: „Bischof Bünker ist ein Brückenbauer. Als die Methodisten 1997 zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) dazukamen, hat sich Bünker bemüht, die Kirchengemeinschaft in Österreich mit Leben zu füllen, etwa durch den gemeinsamen Religionsunterricht“, betonte Pöll.

Klára Tarr vom Präsidium der GEKE hob lobend hervor, dass es Bünker, der Generalsekretär der GEKE ist, gelingt, mit allen Menschen gute Kontakte herzustellen. Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel beschrieb Bünker als „großen Europäer, der Dinge, die unangenehm sind, immer wieder anspricht“. Der Bischof sei aber nicht nur ein großer Europäer, sondern habe auch die restliche Welt im Blick, bestätigte Diakonie-Direktor Michael Chalupka. „Als Schirmherr von ‚Brot für die Welt‘, die entwicklungspolitische Aktion der Evangelischen Kirchen, sensibilisiert er Menschen für die Nöte der Entwicklungsländer“, sagte der Diakonie-Direktor. Eine gemeinsame Leidenschaft für Erwachsenenbildung ortet EU-Kommissar Johannes Hahn, der auch Präsident des Rings Österreichischer Bildungswerke ist.

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen-Komitees, dankte Bünker für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Spontaneität wenn es darum geht, schnell gegen Unrecht aktiv zu werden. Universitätsprofessor Ulrich H.J. Körtner erinnerte an die Denkschriften, an denen Bünker mitgearbeitet hat und betonte: „Bünker gelingt es, substantielle Theologie in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Als einen „medialen Glücksfall“ bezeichnete Doris Appel, Chefin der Religionsabteilung im ORF-Radio, den lutherischen Bischof. „Es gibt kein Thema, zu dem er nichts sagen könnte.“ Meinungsforscher Werner Beutelmeyer sieht in Bünker einen „unerschrockenen Bischof“, der trotz säkularen Gegenwinds ein Vertrauens- und Hoffnungsträger für viele Menschen sei. Bünker bedankte sich bei allen Gästen und Rednern sowie den OrganisatorInnen der Feierlichkeit. „Das alles ist keine Selbstverständlichkeit und daher ein besonderer Grund, dankbar zu sein.“

Durch den Abend führten Oberkirchenrätin Hannelore Reiner und Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell und Landessuperintendent Thomas Hennefeld überreichten Bünker namens der Kirchenleitung ein kleineres Nitsch-Bild. Von den sieben Diözesen erhielt der Bischof – in seiner Freizeit ein passionierter Fliegenfischer – u.a. je eine „Fliege“, die die niederösterreichische Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour gemeinsam mit Superintendent Paul Weiland übergaben. Für die musikalische Umrahmung sorgten das Danubia Saxophon Quartett der Johann Sebastian Bach Musikschule (JSBM), die Lehrerband der JSBM sowie der Singkreis des Club Carinthia unter der Leitung von Ilse Storfer. Kabarettistische Einlagen boten Karl Weinberger und Sissy Kocner – ehemals Bünkers „Kollegen“ bei den „Kirchengfrastern“ – unterstützt von Carsten Marx. Ein eigens produzierter Experimentalfilm von Michael Geyersbach wurde erstmals präsentiert, ebenso das neue Buch von Michael Bünker mit dem Titel „Unruhe des Glaubens“. Den Abschluss des Abends bildete ein Konzert der Band „Kreuzweh“ mit dem Bischof am Schlagzeug.

Bilder vom Geburtstagsfest unter foto.evang.at

ISSN 2222-2464