Bischof Sturm: Kirchen bieten gutes Beispiel für gelingenden Dialog

Ökumenischer Rat der Kirchen überreichte Grußadresse an Ministerin Plassnik

Wien, 15. Dezember 2005 (epd Ö) – „Die Kirchen in Österreich sind ein gutes Beispiel für den gelingenden Dialog“, sagte der lutherische Bischof und designierte Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Mag. Herwig Sturm, bei dem Arbeitsbesuch von Vertretern des ÖRKÖ, der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Commission des Episcopats de la Communauté Européenne (COMECE) bei Außenministerin Dr. Ursula Plassnik am Mittwoch, 14.Dezember, in Wien anlässlich der anstehenden Ratspräsidentschaft Österreichs bei der Europäischen Union. In jedem Dialog stecke „viel Hoffnung. Die Kirchen möchten etwas beitragen zum Dialog über die Situation der Armen in Europa“, betonte der Bischof.

Schönborn zur Türkei: Religionsfreiheit beobachten

„Sehr gefreut“ haben sich die Kirchen, dass ein Schwerpunkt der österreichischen Präsidentschaft die Südosteuropafrage sein werde, sagte Kardinal Dr. Christoph Schönborn. Die Kirchen hätten bereits eine Reihe von Initiativen gesetzt, um Südosteuropa näher zu rücken. Der Kardinal verwies auf die Donaukirchenkonsultationen und die Initiative Pro Oriente. In Bezug auf die Türkei bat der Kardinal darum, die Religionsfreiheit „ausdrücklich zu beobachten. Die jüngsten Nachrichten aus der Türkei sind nicht sehr ermutigend.“

„Die Integrations- und Asylpolitik der EU dürfen nur unter genauer Beachtung der Menschenrechte geschehen“, betonte die lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner, Mitglied des Zentralausschusses der KEK. Dazu gehörten beispielsweise die Familienzusammenführung oder dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden. Einen „gerechten Finanzhaushalt der EU“ sprach Stefan Lunte von der COMECE an. Dabei ginge es darum, „die wirtschaftlich schlechter gestellten Staaten gerecht zu behandeln“. Auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege liege es an, „Rechtsklarheit“ zu erreichen, unterstrich Dr. Dieter Heidtmann von der KEK. Hier stünden nicht allein „wirtschaftliche Fragen“ im Mittelpunkt: „Es ist den Menschen wichtig, von wem sie gepflegt werden, wenn sie pflegebedürftig werden.“

Plassnik: Europäischer „Way of Life“

„Wir brauchen einander, um etwas über die EU vertrauensvoll weiterzutragen“, betonte Außenministerin Ursula Plassnik. „Daher ist mir der Dialog mit den Kirchen sehr wichtig, und ich bitte sie um ihre Mithilfe, denn wir brauchen glaubwürdige Partner.“ Es gehe darum, positive Identifikationsmodelle anzubieten wie etwa einen europäischen „Way of Life“. Dieses europäische Lebensmodell sei bereits formuliert, etwa im 3. Artikel der Europäischen Verfassung: „Dies müssen wir mit vertrauensvollen Partnern kommunizieren“, unterstrich die Außenministerin. Als Ansprechpartner für die Kirchen nannte Plassnik den Generalsekretär im Außenamt, Dr. Johannes Kyrle.

Faire Zugangsregelungen für Asylwerber

Bischof Sturm überreichte in seiner Eigenschaft als designierter Vorsitzender des ÖRKÖ eine Grußadresse des Ökumenischen Rates. Darin heißt es unter anderem, dass die christlichen Kirchen die EU als „einmaliges Friedensprojekt“ sehen. Weiters fordern sie, dass die EU „sich nicht abschottet, sondern faire Zugangsregelungen für Asylwerber und Migranten schafft“. Als einen wichtigen Beitrag zum Gelingen, zur Erweiterung und zur geistlichen Vertiefung der EU erachten es die Kirchen, für den „Schutz der Schwachen und die Würde aller Menschen einzutreten“. Aus diesem Grund „wünschen die Kirchen, dass der im Artikel 52 Absatz 3 des EU-Verfassungsvertrages vorgesehene Dialog mit ihnen schon vorweg eingerichtet und gepflegt wird“. Weitere Vertreter des ÖRKÖ-Vorstands bei dem knapp zweistündigen Arbeitsbesuch waren Metropolit Michael Staikos und Dr. Franz Eckert.

ISSN 2222-2464