Bischof Bünker: „Nicht distanzieren von dem, was geschehen ist“

Gedenkfeier im KZ-Nebenlager Gunskirchen- Keine Toleranz gegenüber Rechtsradikalismus

(epd Ö) – „Man muss letztlich sagen, dass wir es gewesen sind – und ich schäme mich dafür.“ Das erklärte der lutherische Bischof Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker am 17. Mai in seiner Gedenkrede zum 63. Jahrestag der Befreiung des KZ-Nebenlagers Gunskirchen. Bünker sprach in seiner Rede von einer „bleibenden Verantwortung“ und erläuterte: „Ich verstehe das so, dass wir uns nicht – und in keiner Phase – distanzieren können und dürfen von dem, was geschehen ist.“ Es sei alles zu tun, „damit sich solche und ähnliche Entwicklungen niemals wieder zutragen“.

Dabei gehe es, so der Bischof, zuerst um das Erinnern und Gedenken. Die Forderung, endlich einen Schlussstrich zu ziehen, sei nachdrücklich zurückzuweisen. Auch sei gutzumachen, was verbrochen wurde, wo immer es noch möglich sei. Bünker: „Gerade im Bereich der Restitution und der Entschädigung ist in Österreich in den letzten Jahren viel geschehen, aber noch gibt es offene Fragen, die unverständlicherweise nicht abgeschlossen werden.“

Ebenso forderte der Bischof eine entschlossene Politik ohne Toleranz gegenüber Rechtsradikalismus: „Für das Bestreiten der Verbrechen des Nationalsozialismus gibt es kein Recht auf Meinungsfreiheit.“ Gegenüber neuen Entwicklungen, die Fremdenhass und Rassismus förderten, sei Wachsamkeit nötig.

Bünker betonte in seiner Rede, auch die Kirchen, „gerade meine evangelische Kirche“, hätten damals versagt und seien „in die Irre gegangen, nicht zuletzt durch eine von ihnen selbst durch Jahrhunderte gepflegte und geförderte Judenfeindschaft“. Es bedürfe ständiger Wachsamkeit, „dass auch die Kirchen aus dieser Vergangenheit lernen und allen Tendenzen eines religiös begründeten Antijudaismus, der leicht in einen rassischen Antisemitismus umschlagen kann, widerstehen“.

ISSN 2222-2464