Bischof Bünker: Karfreitag verlangt, die Opfer wahrzunehmen

Der evangelisch-lutherische Bischof kritisiert mangelnde Integrationsbemühungen in Österreich

Wien (epd Ö) Von einem „Karfreitagsprinzip“, das von den christlichen Kirchen verlange, „nicht wegzuschauen, sondern die Opfer wahrzunehmen“ hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker gesprochen. Im Ö1-Mittagsjournal betonte Bünker am Karfreitag, das betreffe nicht nur kirchliche, sondern auch tagespolitischen Fragen. So befänden sich die österreichischen Religionsgemeinschaften im Konsens darüber, sich als „Vertreter einer gelungene Integration zu verstehen“.

Der Bischof kritisierte in den Interview den unmöglichen Zustand“, dass, wie kürzlich geschehen, Behinderte in Schubhaft kämen und die österreichische Gesellschaft darüber hinwegsehe. In diesem Zusammenhang trat Bünker auch für eine verstärkte Integration im öffentlichen Dienst ein. Das könnte auch im Bereich der Polizei zu mehr Verständnis führen und den „da und dort zutage tretenden Rassismus“ eingrenzen.

Wie Bünker berichtete, hätten die Evangelischen Kirchen bereits vor einem Jahr beim Innenministerium „angemahnt“, in der Migration das Positive zu sehen. „Österreich profitiert enorm von der Migration“, unterstrich der Bischof.

Als „einseitig“ bezeichnete Bünker die Maßnahmen der Regierung zur Beilegung der Wirtschaftskrise. Von ihnen würden die Armen, aber auch Kinder und Jugendliche, vor allem aber allein erziehende Frauen nicht profitieren.

Im Blick auf das Judentum, das in der Geschichte wegen der Kreuzigung Jesu von christlicher Seite Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt war, erklärte Bischof Bünker, das „Karfreitagsprinzip“ verlange auch hier, an die Opfer zu denken.

ISSN 2222-2464