Abschied von Oskar Sakrausky

Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Altbischof in der Lutherischen Stadtkirche in Wien – Sturm: „Sakrauskys Einsatz für das Schwache herausragend“

Wien (epd Ö) – „Sein Einsatz für das Schwache wie etwa für die verfolgten Christen in der Welt ist sicher herausragend für den Menschen Oskar Sakrausky“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Predigt im Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Altbischof Dr. h.c. Oskar Sakrausky am Mittwoch, 1. März, in der Lutherischen Stadtkirche in Wien. Für Sakrausky habe Nachfolge Christi geheißen, den Weg des Leidens auf sich zu nehmen: „Das hat er auch in der Geschichte der Evangelischen in Österreich erkannt.“ Sturm betonte „das tiefe Engagement und die Begeisterung, wenn er im Diözesanmuseum Fresach die Geschichte der Reformation, der Gegenreformation und des Geheimprotestantismus erzählt hat mit allen Leiden um des Glaubens willen.“

Sakrauskys Amtszeit sei von vielen Herausforderungen geprägt gewesen, wie etwa dem Aufstand der Jugend in den 1968er Jahren sowie dem Ruf nach Demokratisierung und Gleichberechtigung. „Ich denke, dass Bischof Sakrausky, wie viele Verantwortungsträger dieser Zeit, mehr die Gefahren der Entwicklung gesehen hat als die Chancen und sich deshalb mit viel Kraft dagegen gestemmt hat.“ Angesichts seines Lebenslaufes „kann man verstehen, dass sein Tauf- und Konfirmationsspruch ´Wachet und stehet im Glauben, seid mutig und seid stark´ wichtig geworden ist und zu einer Kurzformel dessen wurde, was ihn getragen hat.“

Kirchengeschichte immer auch Verkündigung

Sakrauskys Verdienste und seine Bedeutung als Kirchenhistoriker würdigte der Wiener Kirchenhistoriker Univ.-Prof. DDr. Rudolf Leeb: „Sakrausky war als Kirchenhistoriker weit über Österreich hinaus bekannt.“ Besonders zu nennen sei die Epoche der Reformation und Gegenreformation. Er habe immer den Blick für das Große und Ganze gehabt, „um das Bleibende im Wandel zu erforschen“. Für den Altbischof sei Kirchengeschichte immer auch Verkündigung gewesen. Sakrausky habe eine besondere Begabung für die öffentliche Rede gehabt, „sein Denken und sein Reden war von großer Klarheit und Kraft. Er hat sicherlich mehr für die öffentliche Wahrnehmung der Evangelischen Kirche getan, als wir vermuten.“

„Es war eine Lernzeit für die Ökumene, die Altbischof Sakrausky und ich zu Beginn miteinander hatten“, sagte der römisch-katholische Weihbischof DDr. Helmut Krätzl. Für alle sei die beginnende Ökumene damals „zuerst ungewohnt gewesen. Langsam sind wir aufeinander zugegangen.“ Einer der „Meilensteine“ sei die gegenseitige Anerkennung der Taufe gewesen. Sakrausky sei immer fest in seiner Tradition gestanden. „Wir haben beide gelernt, miteinander und voneinander.“ „Er war ein aufrechter und tief frommer Christ, verwurzelt in seinem Glauben und in seiner Tradition in der beginnenden Ökumene“, sagte Krätzl.

Aus der Theologie heraus die Dinge richtig benennen

„Ich persönlich denke, Sakrauskys Glaube und seine Frömmigkeit waren geprägt von seinen Erlebnissen in Krieg und Kriegsgefangenschaft. Hier hat er die bewahrende und schützende Hand Gottes und Gottes Wort erfahren“, sagte der Präsident der Synode und Generalsynode, Dr. Peter Krömer. „Sakrausky wollte ein guter Bischof sein und aus der Theologie heraus die Dinge richtig benennen. Seiner Verantwortung war er sich immer bewusst.“ Wichtige Weichenstellungen habe es in Sakrauskys Amtszeit in Kirche und Gesellschaft gegeben, wie etwa die volle Gleichstellung von Amtsträgerinnen. Hier und bei anderen Themen habe er seine Position und Stellung eingenommen, „auch wenn er die Mehrheit in der Synode nicht fand. Ihre Entscheidungen akzeptierte er aber immer.“ Mit Sakrausky habe die Kirche in Österreich eine besondere geistliche Persönlichkeit verloren, der die Kirche viel verdankt.

Musikalisch gestaltet wurde der Gedenkgottesdienst von Landeskantor Mag. Matthias Krampe und dem Ensemble der Kärntner Singgemeinschaft in Wien unter der Leitung von Mag. Bernhard Sturm.

Oskar Sakrausky war von 1968 bis 1983 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Am 10. Februar ist er im Alter von 92 Jahren verstorben.

ISSN 2222-2464