Zweisprachige Volksschulklasse in Diakonie-Schule

Die bilinguale Klasse ermöglicht englischsprachigen und österreichischen Kindern einen gemeinsamen Unterricht. Foto: Diakonie Kärnten
Die bilinguale Klasse ermöglicht englischsprachigen und österreichischen Kindern einen gemeinsamen Unterricht. Foto: Diakonie Kärnten

Kärnten: Diakonie-Rektor Stotter warnt vor Zwei-Klassen-Schulsystem

Klagenfurt (epdÖ) – Die Montessorischule der Diakonie de La Tour in Klagenfurt bietet im jetzt beginnenden Schuljahr 2011/12 erstmals eine zweisprachige Volksschulklasse an. Der gesamte Unterricht wird auf Deutsch und auf Englisch gehalten. Die bilinguale Klasse kann von jedem besucht werden. Sie soll englischsprachigen Kindern von hochqualifizierten internationalen MitarbeiterInnen, die in Kärnten arbeiten, den Schulbesuch ermöglichen und österreichischen Kindern helfen, eine Sprache zu lernen, die von über 500 Millionen Menschen gesprochen wird.

Die Idee der zweisprachigen Klasse stammt nicht von der Diakonie in Kärnten. Der Carinthian International Club (CIC), ein Netzwerk für internationale MitarbeiterInnen in Industrie und Wissenschaft in Kärnten, ist mit dieser Anregung gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) an die Diakonie herangetreten, nachdem sich eine bilinguale Klasse im Rahmen des öffentlichen Schulsystems nicht realisieren ließ.

„Es gibt innerhalb des staatlichen Schulsystems reformpädagogischen Nachholbedarf. Wir werden unserer diakonischen Aufgabe gerecht, wenn wir helfen, diese Lücke zu schließen“, erklärte Diakonie Kärnten-Rektor Hubert Stotter in einem Gespräch mit dem epdÖ. Durch die Zweisprachigkeit würden Grenzen abgebaut. Durch diese Klasse trage die Diakonie dazu bei, dass Integration stattfinden könne. Dabei sei Integration aber keine Einbahnstraße, es ginge auch darum, die heimischen Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des Englischen in eine größere Gemeinschaft zu integrieren, da diese ja eine Weltsprache ist, so Stotter. „Englisch ist heute keine Fremdsprache mehr. In Entwicklungsländern wie beispielsweise Äthiopien ist Zweisprachigkeit längst Standard.“

Die neue zweisprachige Schulklasse werde von den Eltern sehr positiv aufgenommen, so der Rektor. Dies zeige, dass es Defizite im Schulsystem gäbe, die von Privatschulen ausgeglichen werden müssten. Dabei „besteht die Gefahr, dass wir ein Zwei-Klassen-Schulsystem entwickeln, wo Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern eine gute Schule besuchen können, während andere Kinder nehmen müssen, was der Staat ihnen bietet“, warnt Stotter. Deswegen sei es bei allen Schulen der Diakonie ganz wichtig, dass ein integrierter Sozialfond vorhanden ist, der eine einkommensabhängige Reduktion des Schulbeitrags ermöglicht.

Die Privatschule wird von der Wirtschaft und dem Land Kärnten sowie über die Elternbeiträge – für den Halbtag rund 300 Euro und für den Ganztag rund 430 Euro – finanziert. „Dennoch bleibt diese Schule in gewisser Weise elitär, allein durch das spezielle Bildungsangebot. Dessen muss man sich bewusst sein“, sagt Diakonie-Rektor Hubert Stotter.

ISSN 2222-2464