„Zuordnungen aus Lagerdenken immer fragwürdiger“

Bünker: Abschwächung des konfessionsspezifischen Wahlverhaltens positiv für kirchliche Entwicklung

Wien, 14. Mai 2003 (epd Ö) Eine „positive Entwicklung“ für die Evangelische Kirche sieht Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker in der deutlichen Abschwächung eines konfessionsspezifischen Wahlverhaltens in Österreich. In seiner Rubrik der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“ nimmt Bünker Bezug auf die kürzlich publizierten Analysen zur Nationalratswahl des Vorjahres. Demnach geht der Anteil der regelmäßigen katholischen KirchenbesucherInnen an der ÖVP-Wählerschaft zurück, gleichzeitig löst sich eine historisch ableitbare Parteienpräferenz bei den Evangelischen auf.

Nicht nur von der FPÖ holte sich die Volkspartei die Stimmen, auch von den Evangelischen. Im Vergleich zu den Wahlen von 1999 ergaben die Exit-Polls, dass im letzten Herbst die Evangelischen weniger rot und mehr grün gewählt haben. Markant seien allerdings die Bewegungen in Bezug auf Volkspartei und Freiheitliche. Vergangenes Jahr hätten 41 % der Evangelischen die ÖVP gewählt, 1999 waren es nur 10 %. Genau umgekehrt die Entwicklung bei den Freiheitlichen: 1999 gaben 32 % der Evangelischen ihre Stimme der FPÖ, 2002 waren es nur mehr 8 %.

Bünkers Fazit: „Stillschweigend vorausgesetzte Zuordnungen aus überkommenem ‘Lagerdenken’ werden immer fragwürdiger, die Konflikte um den Standort der Kirche in den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen nehmen zu. Es kommt darauf an, wie offen sie ausgetragen werden.“

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ISSN 2222-2464