Zehn Jahre „Allianz für den freien Sonntag“

v.li. Diözesanbischof Ludwig Schwarz - Sprecher der Allianz für den freien Sonntag und Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. Foto: Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/Jacqueline Godany
v.li. Diözesanbischof Ludwig Schwarz - Sprecher der Allianz für den freien Sonntag und Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. Foto: Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/Jacqueline Godany

Oberkirchenrätin Reiner: Sonntag wichtig für Familienleben und Freundschaften – Festakt im Parlament

Wien (epdÖ) – Die „Allianz für den freien Sonntag“ feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lud der zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer am Dienstag, 18. Oktober, zu einem Festakt ins Parlament, an dem zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der über 50 Organisationen aus Kirchen, Zivilgesellschaft, Gewerkschaft und Wirtschaft, die an der Allianz beteiligt sind, teilnahmen. Darüber hinaus waren auch Gäste aus dem europäischen Ausland angereist.

19″Sonntags- und Feiertagskultur beinhaltet für mich das gemeinsame Aufatmen und Zur-Ruhe-Kommen, ein ‚Moratorium des Alltags‘, wie es Odo Marquard einmal genannt hat“, sagte die evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner bei der Veranstaltung. „Dieses gemeinsame Aufatmen ist verbunden mit einem Dank dem gegenüber, der uns das Leben geschenkt hat.“ Für Reiner ist der Sonntag jener Tag, an dem die Familien – aber auch Freundinnen und Freunde – Zeit haben sollten, zusammenzukommen. Der Mensch lebe gerade von miteinander geschenkter und geteilter Zeit. Einen Gegensatz zwischen Sonntags- und Feiertagskultur auf der einen und Erlebnisgesellschaft auf der anderen Seite sieht Reiner nicht. „Erlebnisgesellschaft, Spaß und Freizeit, das Leben in all seinen Facetten auskosten, manchmal sogar bis zum Umfallen, das muss nicht von vornherein negativ gesehen werden“, so Reiner. Das Bedürfnis nach gemeinsam erlebter und gestalteter Freizeit sei vielmehr ein starkes Argument für einen gemeinsamen, freien Sonntag.

Ludwig Schwarz, römisch-katholischer Diözesanbischof von Linz und einer der Sprecher der Allianz, hob in seiner Rede die Bedeutung des freien Sonntags als Zeit für Gottesdienst, Familie, soziale Kontakte sowie ehrenamtliches Engagement hervor und lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Gewerkschaften. „Ohne Sonntage gäbe es nur Werktage und Wochen ohne Ende.“ Die Zusammensetzung würde zur breiten gesellschaftlichen Akzeptanz der Allianz und ihrer Anliegen beitragen, dies sei das Erfolgsgeheimnis, so Schwarz. Hannes Kreller von der „Allianz für den freien Sonntag Deutschland“ betonte in seiner Rede, dass der Sonntag ein Symbol dafür sei, „dass Leben mehr ist als Arbeit, dass eine menschliche Gesellschaft mehr bedeutet als erfolgreiche Wirtschaft“. Der Sonntag sei deshalb ein „Geschenk des Himmels“. Fritz Aichinger, Vertreter der Wirtschaftskammer Österreich – Sparte Handel, machte darauf aufmerksam, dass weit mehr als 95 Prozent der Händler allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen gegen eine Sonntagsöffnung sind. In erster Linie seien es internationale Unternehmen und Ketten, die auch am Sonntag ihre Geschäfte öffnen wollen. Gewerkschaftspräsident Erich Foglar unterstrich, dass auch für die Gewerkschaften der freie Sonntag einen hohen Wert darstelle.

In Niederösterreich, wo der arbeitsfreie Sonntag vor zehn Jahren in der Verfassung verankert wurde, feierte die „Allianz für den freien Sonntag“ aus diesem Anlass am Sonntag, 16. Oktober, einen ökumenischen Gottesdienst.

Die „Allianz für den freien Sonntag Österreich“ – ein Bündnis von mehr als 50 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft – setzt sich seit 2001 für den arbeitsfreien Sonntag ein.

ISSN 2222-2464