„Wunderbarer Lehrer“ – Kurt Niederwimmer 85

Klar, pointiert, rhetorisch brillant: Der Neutestamentler Kurt Niederwimmer beim Vortrag (Foto: M.Uschmann/epdÖ)
Klar, pointiert, rhetorisch brillant: Der Neutestamentler Kurt Niederwimmer beim Vortrag (Foto: M.Uschmann/epdÖ)

Evangelische Kirche und Fakultät würdigen den Wiener Neutestamentler

Wien (epdÖ) – Vor wenigen Tagen feierte der Wiener Neutestamentler Kurt Niederwimmer seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlass hielt der Jubilar am Montagabend, 17. November, einen Festvortrag in der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Unter dem Titel „Im Spiegel – rätselhaft“ bot Niederwimmer dabei eine Exegese über eine Stelle des bekannten „Hohelieds der Liebe“, das „unvermutet Aussagen über die Gotteserkenntnis“ enthalte. Gekommen waren zu dem Vortrag nicht nur Repräsentanten der Evangelischen Kirche, der Ökumene und der Fakultät, sondern auch zahlreiche ehemalige Schülerinnen und Schüler, die ihren Universitätslehrer in vertrauter Weise erlebten: Didaktisch klar strukturiert, pointiert, rhetorisch brillant und mit einer Prise Selbstironie analysierte Niederwimmer den Vers des Korintherbriefs, ohne dabei „das Ganze der Theologie“ aus den Augen zu verlieren, wie Bischof Michael Bünker in seiner anschließenden Laudatio bemerkte.

„Wir sind froh, Sie als theologischen Lehrer und als berufenen Diener am Wort des Lebens zu haben“, sagte der Bischof, der als erster Student bei Niederwimmer dissertierte. Das „Ganze der Theologie“, das über die unterschiedlichen Existenzen und Lebensläufe hinausweise, sei Niederwimmer immer ein „bleibendes Anliegen“. Bünker erinnerte an Niederwimmers intensive Text- und Handschriftenforschung, sein Kommentar zur Didache habe „Standards gesetzt“. „Fromme Trivialitäten sind nicht Ihre Sache“, meinte der Bischof zu dem Jubilar. Schon früh habe sich Niederwimmer für die „wesentlichen, bleibenden Fragen“ interessiert. Viele durften ihn als „wunderbaren Lehrer in Schule und Fakultät“ erleben, der sie „fordernd und fördernd“ begleitet habe. „Sie haben mich gelehrt, die Theologie nicht nur zu betreiben, sondern auch zu lieben“, so Bünker.

Auch der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner hat bei Kurt Niederwimmer studiert und seine Dissertation verfasst. Niederwimmer sei nicht nur ein „Gelehrter von hohem Rang, begnadeter Rhetoriker und Vortragender“, sondern vor allem Theologe. „Von dem herkommend, was uns unbedingt angeht, von daher seiner Kirche verbunden und ihr dienend, ist er ein Charismatiker der Lehre und des Denkens“, unterstrich Lehner. Niederwimmer sei bereits früh in andere Richtungen als der Mainstream gegangen, etwa in der positiven Wertung des geschichtlichen Werdens der frühen Kirche. „Denken in modischen Kategorien war und ist Seines nicht“, betonte der Superintendent. Als Lehrer habe Niederwimmer im Zusammenspiel von Theologie und Philosophie vermittelt, dass „Glaube und Einsicht, Herz und Verstand, Wahrheit und Liebe“ keine Gegensätze sind, sondern „tiefer in das Geheimnis Gottes hineinführen“. Das zeigte Niederwimmer auch in seinem Vortrag über 1. Kor 13,12 auf: Nach Paulus sei Gott „unerkennbar, bleibt rätselhaft, auch wenn er sich erschließt“. Gott lasse sich nur erkennen „über das, was er geschaffen hat, dabei tappen wir immer noch im Rätsel“, erklärte der Jubilar, der von 1973 bis 1997 als Professor für Neutestamentliche Wissenschaft an der Wiener Evangelisch-Theologischen Fakultät lehrte und Theologie und Kirche über Jahrzehnte prägte.

Bilder zur Feier unter: foto.evang.at

ISSN 2222-2464