Worte der Verständigung und der Versöhnung

Pressekonferenz zum Abschlus der Synodentagungen in St. Pölten

St. Pölten, 24. Oktober 2002 (epd Ö) „Je konfliktreicher die Sprache der politischen Auseinandersetzung zwischen Österreich und Tschechien ist, desto mehr verengt sie sich auf die Begriffe von Schuld und Nicht-Schuld. Die Kirchen der Leuenberger Kirchengemeinschaft in Österreich, aber auch die Reformatorischen Kirchen in der Tschechischen Republik, gebrauchen Worte der Verständigung und der Versöhnung.“ So beschrieb Bischof Mag. Herwig Sturm auf einer Pressekonferenz am 24. Oktober in St. Pölten das Ziel einer Erklärung zur Verständigung zwischen Tschechien und Österreich, die am Vortag im Niederösterreichischen Landhaus in St. Pölten von den Evangelischen Kirchen A.B. und H.B. sowie von der Methodistenkirche unterzeichnet worden war.

Der Bischof hob hervor, dass hier zum ersten Mal die Selbstverpflichtung der Kirchen der Leuenberger Gemeinschaft zur gemeinsamen Verantwortung wirksam werde. Kirche leiste ein Stück Friedensarbeit, indem sie sorgfältig den Konfliktfeldern in Geschichte und Gegenwart nachgehe.

Der Präsident der Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer, erklärte auf der Pressekonferenz dazu: „Den Gemeinden der unterzeichnenden Kirchen soll deutlich gemacht werden, dass auch die Christen in Tschechien die Dinge anders sehen – und dass die österreichischen Kirchen für einen Beitritt der Tschechischen Republik zur EU eintreten.“

Bischof Sturm: Kinder sind ein Reichtum und keine Störung

Zur Frage des von der Synode A.B. beschlossenen kinderoffenen Abendmahls sagte Bischof Mag. Herwig Sturm: „Wir wollen eine Kirche sein, in der Kinder, aber auch alte und behinderte Menschen Platz haben. Das Abendmahl als Zeichen des Anteilhabens an der Liebe Gottes ist auch für Kinder absolut verständlich.“ Sturm betonte: „Die Gemeinden sollen begreifen, dass Kinder ein Reichtum und keine Störung sind.“ Der Bischof drückte die Hoffnung aus, das die Teilnahme von Kindern am Abendmahl in wenigen Jahren selbstverständlich sein werde.

Zu der von der Generalsynode beschlossenen Denkschrift zum Thema Evangelische Kirchen und Demokratie erläuterte Präsident Krömer, die Denkschrift gehe davon aus, dass nach evangelischem Verständnis der Staat zwar bejaht, aber zugleich relativiert werde, da er Gott untergeordnet sei. Im demokratischen Staat komme einer Kirche das Recht wie auch die Pflicht zu, der Gesellschaft Orientierung in ethischen Fragen zu vermitteln.

Synode H.B. erarbeitet zeitgerechte reformierte Ethik

Die Präsidentin der Synode H.B., Evelyn Martin, berichtete, dass einen Schwerpunkt der Arbeit ihrer Synode die Erarbeitung einer zeitgemäßen reformierten Ethik bilde. Dabei stehe die Frage, wo die Würde des Lebens beginnt, und wo sie endet, im Mittelpunkt. So sei das Problem der ärztlichen Beihilfe zum Freitod noch weithin ungeklärt.

ISSN 2222-2464