WissenschafterInnen untersuchen koptische Handschriften

Die Universität Wien erhielt Fotos von 240.000 Seiten alter koptischer Bibeln, darunter Teile aus dem Lukasevangelium (im Bild).
Die Universität Wien erhielt Fotos von 240.000 Seiten alter koptischer Bibeln, darunter Teile aus dem Lukasevangelium (im Bild).

Deutscher Wissenschafter schuf mit seiner Fotosammlung die Grundlage für ein besseres Verstehen der Bibel

Wien (epdÖ) – Rund 240.000 Seiten alter koptischer Bibeln hat der deutsche Ägyptologe und Koptologe Karlheinz Schüssler in den vergangenen 40 Jahren fotografiert. Nun schenkt er seine weltweit größte Fotosammlung koptischer Handschriften der Universität Wien. WissenschafterInnen der Evangelisch-Theologischen Fakultät werden in den nächsten Jahren die Auswertung der einzigartigen Schriften im Rahmen des neu geschaffenen „Research Centre for Early Christian-Coptic Studies“ aufnehmen.

„Schüsslers Arbeit war ein großer Schritt: Nur wenn wir einen homogenen Text haben, können wir damit auch sinnvoll arbeiten, ihn richtig verstehen und interpretieren“, sagt Hans Förster, Wissenschafter am Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät, in einer Aussendung der Universität Wien. Damit habe Schüssler die Grundlage für die Erforschung des koptischen Bibeltextes geschaffen. Nach Auswertung und Zusammenführung der Handschriften solle eine Gesamtausgabe der koptischen Bibeltexte vorliegen, erklärt Förster.

Bereits jetzt gibt es erste interessante Ergebnisse der Forschungsarbeit: Bei Junias am Ende des Römerbriefs, verfasst von Paulus, dürfte es sich wohl doch um eine weibliche Person namens Junia handeln. In den deutschen Übersetzungen werde Junias als Mann dargestellt, aus Sicht Försters ein Fehler. Im Griechischen laute der Akkusativ für die weibliche ebenso wie für die männliche Form Junian. In der koptischen Version sei aber von Junia die Rede: „Die koptische Sprache dekliniert die Namen nicht, weshalb wir in der koptischen Überlieferung den eindeutigen Beweis haben, dass Junia sehr wohl von Paulus als weibliche Apostelin gegrüßt wird“, führt Förster aus.

ISSN 2222-2464