Wir können die atomaren Ungeheuer nicht stillschweigend akzeptieren“

Evangelische Grußadressen zum Gedenktag an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki

Wien (epd Ö) – „Im Grunde ist es eine Schande, dass Jahr für Jahr Menschen auf der ganzen Welt an das Grauen von Hiroshima und Nagasaki erinnern und diese Stimmen anscheinend keinen Widerhall finden und ungehört bleiben.“ Das schreibt die lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner in einer Grußbotschaft an die Veranstalter der Gedenkveranstaltung zum Hiroshima-Tag am heutigen Mittwoch auf dem Wiener Stephansplatz und vor der Karlskirche. Reiner erinnert daran: „Vor 30 Jahren hat die Friedensbewegung der ehemaligen DDR auf ein Bild aus dem Buch des Propheten Jesaja zu-rückgegriffen: Schwerter werden in Pflugscharen umgeschmiedet! Ich bin überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, weltweit und auch bei uns im Frieden miteinander zu leben.“

Zum Gedenktag an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki am 6. bzw. 9. August 1945 sind den Organisatoren der jährlichen Veranstaltung zahlreiche Grußadressen aus dem In- und Ausland zugegangen, darunter auch prominente Stimmen aus den Evangelischen Kirchen Österreichs. So erklärt der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker: „Es wird deutlich, welche reale Bedrohung für die Menschheit bereits durch die Entwicklung und den Besitz von Atomwaffen gegeben ist. Die mahnende Erinnerung an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki verpflichtet alle, insbesondere die politisch Verantwortlichen, für den Abbau von Atomwaffen zu wirken und jede Weiterverbreitung zu verhindern.“ Der reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld betont: „Wir können uns nicht ChristInnen nennen und gleichzeitig – als möglichen Schutz gegen äußere Feinde – die atomaren Ungeheuer stillschweigend akzeptieren. Für ChristInnen dürfen Atomwaffen keine Option sein.“

Das „Böse in hehrer Absicht“

Evelyn Martin, Mitglied des Leitungsausschusses der Evangelischen Frauenarbeit in Österreich und Nationalkoordinatorin des Ökumenischen Forums christlicher Frauen in Österreich, schlägt vor: „Statt Milliarden in Rüstungsausgaben zu investieren, könnten die Sozialbudgets gut ausgestattet werden und entsprechend Maßnahmen zur sozialen Sicherheit gesetzt werden. Und Erinnerungen an Tage, wie sie Hiroshima und Nagasaki 1945 gesehen haben, werden nur mehr in Geschichtsbüchern ihren Platz haben, in denen mahnend auf die Zeit verwiesen wird, bevor diese Friedensordnung ihren Platz in der Weltpolitik gefunden hat.“

Der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas gibt zu bedenken: „Vielleicht muss man daneben auch noch die Kategorie des ‚Bösen in hehrer Absicht‘ einführen. Die ersten Atombomben wurden jedenfalls von keinem ‚Schurkenstaat‘ abgeworfen. Gleichwohl waren die Folgen verheerend.“ Miklas folgert daraus: „Eine der wichtigsten Präventivmaßnahmen unserer Zeit scheint mir daher die gründliche Analyse jener irrationalen Mechanismen zu sein, die rational bejahte ethische Wertmaßstäbe offenbar unreflektiert außer Kraft zu setzen vermögen.“

Pfarrer Mag. Roland Werneck, Studienleiter der Evangelischen Akademie Wien, hält für sein Institut fest: „Wir stehen für eine evangelische Friedensethik, die aus den Abwürfen von Hiroshima und Nagasaki eine klare Konsequenz gezogen hat: Ein Ja zum Evangelium von Jesus Christus bedeutet ein kompromissloses Nein zu jeder Art von Massenvernichtungsmitteln!“

Der Wiener Superintendent Mag. Hansjörg Lein führt in seinem Grußwort aus: „Die Zukunft unseres Planeten liegt nicht nur in Gottes Händen, sie wird jetzt und immer wieder neu gestaltet von uns allen, ob Alt oder Jung, ob weiblich oder männlich, ob religiös oder säkular. Alle Menschen tragen ein Stück Verantwortung für den Frieden. Keine Stimme ist zu gering, keine Person ist zu unwichtig.“ Und sein Vorgänger Superintendent i.R. Univ.-Prof. Mag. Werner Horn fasst zusammen: „Christen leben vom Schalom (Frieden) Gottes her. Darum können sie nicht anders, als sich für eine friedliche Zukunft unserer Welt einzusetzen.“

ISSN 2222-2464