Wiener Premiere: „Woche des Religionsunterrichts“

Interreligiöses und interkonfessionelles Projekt „leben. gut. ganz. sinnvoll“ – Garcia Sobreira-Majer: Zeigen, was Religionsunterricht leistet

Wien (epd Ö) – Erstmals laden Kirchen und Religionsgemeinschaften in Wien gemeinsam zur „Woche des Religionsunterrichts“. Unter dem Motto „leben. gut. ganz. Sinnvoll“ präsentiert sich in mehr als 200 Schulen in Wien und Niederösterreich der Religionsunterricht der Öffentlichkeit. „Mit dieser Woche wollen wir zeigen, was der Religionsunterricht leistet“, sagte der Wiener Fachinspektor für evangelischen Religionsunterricht an Pflichtschulen, Dr. Alfred Garcia Sobreira-Majer, bei der Auftakt-Pressekonferenz am Montag, 4. April, in Wien. Sowohl in der zweijährigen Vorbereitung als auch in der Durchführung kooperieren zum ersten Mal in Wien die Altkatholische, Evangelische, Orthodoxe und Römisch-katholische Kirche sowie die Islamische Glaubensgemeinschaft und die Israelitische Kultusgemeinde.

„Dieser Religionsunterricht in Österreich, den 13 Kirchen und Religionsgemeinschaften verantworten, kann sich sehen lassen“, unterstrich die Leiterin des Schulamts der Erzdiözese Wien, HR Dr. Christine Mann. Der Religionsunterricht helfe jungen Menschen, sich mit dem Leben auseinander zu setzen und dabei nicht die Frage nach Tiefe und Sinn auszublenden.

Fähigkeit zum Dialog

Der Bischof der Altkatholischen Kirche, Bernhard Heitz, führte aus, wie wichtig der Beitrag des Religionsunterrichts für die Bildung der Beziehungsfähigkeit junger Menschen sei. Der Religionsunterricht sei Dienst an der ganzen Gesellschaft und lehre junge Menschen, das Leben als „kostbares Geschenk“ zu sehen, so der Bischof. „Wo, wenn nicht im Religionsunterricht, wird die Fähigkeit zum Dialog vermittelt?“, fragte Carla Amina Baghajati von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Der Islam-Unterricht an öffentlichen Schulen – „einzigartig in Europa“ – könne die Vielfalt aufgreifen und zu einer gemeinsamen Identität zusammenführen. Der in sich „bunte“ Islam bringe so einen „Farbtupfer“ an die Schulen. Rund 40 000 SchülerInnen besuchen in Österreich den Islam-Unterricht, der vorwiegend am Nachmittag stattfindet.

„Ziel des evangelischen Religionsunterrichts ist es, dass SchülerInnen in ihrer evangelischen Tradition Heimat finden und gleichzeitig andere Konfessionen und Religionen kennen und mit ihnen in den Dialog treten lernen“, meinte Fachinspektor Sobreira-Majer als einer der Initiatoren dieser Woche. In der Diözese Wien nehmen rund 9000 SchülerInnen am Evangelischen Religionsunterricht teil und werden von 125 ReligionslehrerInnen und 36 PfarrerInnen an insgesamt 523 Schulstandorten unterrichtet. Die Woche des Religionsunterrichts ist für den Fachinspektor auch Ausdruck und Ergebnis „einer schon länger bestehenden Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften“.

Highlights der Woche des Religionsunterrichts:

Neben Tagen der Offenen Tür im Religionsunterricht werden in der kommenden Woche herausragende Projekte, interreligiöse Feste, fächerverbindende Aktionen, Vorträge, musische und kreative Programmpunkte angeboten. Den Auftakt bildet ein Festakt im Stadtschulrat für Wien am Montag, 11. April 2005. „Was leistet der Religionsunterricht?“ ist der Titel einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend (13. April, 18.30 Uhr) im Stadtschulrat (Wipplingerstraße 28, 1010 Wien), an der Vertreter der Religionsgemeinschaften und die grüne Gemeinderätin Susanne Jerusalem teilnehmen werden. Weitere Highlights: eine ökumenische Bibelausstellung, das Kreativ-Projekt „Elemente“ im ZOOMLab im Museumsquartier oder der Event „Religion im Zelt“ am Dienstag, 12. April 2005. Das gesamte Programm findet sich unter: www.schulamt.at.

ISSN 2222-2464