Wien-Liesing: Kirchenglocken gegen Anti-Asyl-Proteste

Am 14. März läuten die Glocken aller Liesinger Kirchen, darunter auch der evangelischen Johanneskirche (Bild), für fünf Minuten, um gegen die zeitgleich am Liesinger Platz geplante Anti-Asyl-Demo einer FPÖ-Bürgerinitiative mobilzumachen. (Foto: Wikipedia/Funke)
Am 14. März läuten die Glocken aller Liesinger Kirchen, darunter auch der evangelischen Johanneskirche (Bild), für fünf Minuten, um gegen die zeitgleich am Liesinger Platz geplante Anti-Asyl-Demo einer FPÖ-Bürgerinitiative mobilzumachen. (Foto: Wikipedia/Funke)

Lang-Czedik: „Wir zeigen damit, dass jeder Mensch kostbar ist“

Wien (epdÖ) – Ein lautstarkes Zeichen für Flüchtlinge setzen am 14. März die evangelische Pfarrgemeinde Wien-Liesing und die römisch-katholischen Pfarren des 23. Wiener Gemeindebezirks. Ab 18 Uhr läuten die Glocken aller Liesinger Kirchen für fünf Minuten, um gegen die zeitgleich am Liesinger Platz geplante Anti-Asyl-Demo einer FPÖ-Bürgerinitiative mobilzumachen. Im Fokus beider Kundgebungen steht ein Asylquartier in der Ziedlergasse, das künftig bis zu 750 Asylwerbern Unterkunft geben soll. Kürzlich haben die ersten 51 Asylsuchenden das ehemalige Bürohaus einer Computerfirma bezogen.

„Wir sind schon seit Jänner im Übergangsquartier für Flüchtlinge der Diakonie in Rodaun engagiert“, berichtet Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik. Die Evangelische Jugend der Pfarrgemeinde organisiere dort Feste im Haus, muntere die Menschen auf der Flucht auf und unternehme mit ihnen sportliche Aktivitäten. Seit Mittwoch, 9. März, ist die Pfarrgemeinde auch im großen Quartier in der Ziedlergasse in der Vernetzung der Nachbarschaftshilfe aktiv. „Dass wir als Kirchen in Liesing ein positives Zeichen setzen müssen, ist mir klar geworden nach den beiden furchtbaren BürgerInnen-Versammlungen in Liesing, bei denen je 600 Menschen erschienen sind und völlig verhetzt gegen die bis zu 750 Menschen auf der Flucht gewettert haben“, erklärt die Pfarrerin gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Die Menschen, die im Lauf der nächsten Wochen und Monate in der Ziedlergasse einziehen werden, seien „gut betreut von den Johannitern und vom Arbeiter Samariterbund“, ist Lang-Czedik überzeugt. „Als dann noch die Anti-Flüchtlings-Demo der FPÖ für 14. März angekündigt wurde, ist mir die Idee des Dagegen-Anläutens mit all unseren Kirchenglocken im Bezirk als ökumenische Solidaritätsaktion für Menschen auf der Flucht gekommen.“ Beeindruckt zeigt sich die Pfarrerin, dass alle römisch-katholischen Pfarren der Einladung zugestimmt haben. Lang-Czedik: „So à la Don Camillo und Peppone wollen wir gegen menschenverachtende Auftritte am Liesinger Platz Sturm läuten und damit zeigen, dass für uns jeder Mensch kostbar und ein Kind Gottes ist, egal, woher er oder sie kommt.“ Von der römisch-katholischen Pfarre Rodaun folgte daraufhin die Einladung zu einem ökumenisches Friedensgebet am kommenden Montag um 18 Uhr „als Antwort auf die Demonstration auf dem Liesinger Platz und die derzeitige Entwicklung an den Grenzen im Süden Österreichs“, heißt es seitens der Pfarre.

ISSN 2222-2464