Wien erhält ersten islamischen Friedhof

Areal in Liesing wird bis 2003 erschlossen – Platz für rund 2.800 Gräber

Wien, 05. Dezember 2001 (epd Ö) Nach rund 15 Jahren – oft erfolgloser – Gespräche zwischen der islamischen Glaubensgemeinschaft und der Stadt Wien ist es so weit: Die Bundeshauptstadt bekommt einen eigenen islamischen Friedhof. Ab Herbst 2003 können Muslime auf einem rund 34.000 Quadratmeter großen Areal in Liesing beerdigt werden. Der Präsident der Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, zeigte sich am Dienstagabend vor Journalisten zufrieden: „Wenn wir von Integration reden, gehört dazu, dass die Infrastruktur vollständig ist.“

Und dazu, so betonte er, gehöre auch ein Friedhof. Bisher sind Muslime in Wien entweder auf dem Zentralfriedhof begraben worden oder wurden, wenn es sich um Zuwanderer handelte, in ihre Heimatländer überstellt. Nun sei ein Grundstück gewählt worden, das sich als geeignet herausgestellt habe: Der islamische Friedhof wird zwischen Großmarktstraße, Laxenburger Straße, Haböckgasse und Liesingbach errichtet.

Die rund 24 Mill. Schilling (1,74 Mill. Euro) teure Fläche wird nach Angaben des zuständigen Stadtrats, Werner Faymann (SPÖ), von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt. Für die Erschließungsarbeiten samt Errichtung der Begrenzungsmauer sind rund acht Mill. Schilling (581.383 Euro) veranschlagt. Die gesamte Anlage bietet Platz für rund 2.800 Gräber, – die alle so angelegt werden, dass der Verstorbene mit dem Gesicht in Richtung Mekka bestattet werden kann. Die Verabschiedung wird zuvor in einem zwölfeckigen Gebäude stattfinden.

Integrationsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) betonte bei der Präsentation des Projektes, dass der Islamische Friedhof ein wichtiger Beitrag zum Leben in der Stadt sei – denn der Tod gehöre auch zum Leben. „Viele ehemalige Gastarbeiter sind inzwischen mit Leib und Seele Österreicher und haben hier Angehörige. Für viele von ihnen war es ein immenses Problem, wo sie einmal begraben werden“, so Brauner.

Die islamische Glaubensgemeinschaft in Wien verfügt laut Statistischem Zentralamt insgesamt über rund 105.000 Mitglieder. Damit ist sie nach der römisch-katholischen Kirche die zweitgrößte rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft in der Bundeshauptstadt.

ISSN 2222-2464