Wien ehrt lutherischen Bischof Michael Bünker

Hohe Auszeichnung für einen steten Mahner: Wiens Bürgermeister Michael Häupl (li) überreicht Bischof Bünker (re) das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (Foto: Uschmann/epdÖ)
Hohe Auszeichnung für einen steten Mahner: Wiens Bürgermeister Michael Häupl (li) überreicht Bischof Bünker (re) das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (Foto: Uschmann/epdÖ)

Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien – Stadtrat Ludwig: Moralische Instanz und Menschenverbinder

Wien (epdÖ) – Mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ist am Montag, 4. Mai, der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker ausgezeichnet worden. Überreicht wurde das Ehrenzeichen durch Landeshauptmann und Bürgermeister Michael Häupl in Anwesenheit zahlreicher Repräsentanten des Landes Wien, der Evangelischen Kirchen, der Ökumene und der Religionsgemeinschaften.

Stadtrat Michael Ludwig bezeichnete in seiner Laudatio Michael Bünker als „moralische Integrität und Instanz“, die gerade zu sozialpolitischen Themen die Stimme erhebe, „vor allem wenn es um Menschenrechte und Gerechtigkeit geht“, so Ludwig. Bünker sei ein „theologischer Experte, Lehrer, Wissenschaftler, Publizist und Humanist“, der das Gemeinsame in den Vordergrund rücke, „als Menschenverbinder ein Vorbild für die jüngere Generation“. Dabei unterstrich der Stadtrat auch Bünkers gesellschaftspolitisches Wirken etwa im Bildungsbereich, seinen Kampf gegen Armut und seinen Beitrag für das positive Verhältnis der Kirchen und Religionsgemeinschaften zueinander. Bünker wende sich deutlich gegen Rassismus und sei ein „steter Mahner“, wenn antisemitische Aussagen getätigt werden. Durch seine geradlinige Art verstehe er es, „Botschaften auf den Punkt zu bringen“, sagte Michael Ludwig.

Der Stadtrat kündigte an, dass zum Reformationsjubiläum 2017 Wien eine zentrale Rolle spielen werde. Dadurch solle auch gezeigt werden, „dass die Evangelische Kirche einen starken Beitrag zur Kultur Österreichs leistet“.

Auch Bischof Bünker zeigte sich erfreut, dass Wien gemeinsam mit Städten wie Genf, Zürich, Wittenberg oder Straßburg als „European City of Reformation“ an den Aufbruch erinnern werde, der im 16. Jahrhundert hier stattgefunden habe. Dabei sei es nicht nur um eine innerkirchliche Reformbewegung, sondern um die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft und damit um die Entwicklung der politischen Selbstbestimmung und der wirtschaftlichen Eigenständigkeit gegangen. Die Pluralisierung, die mit der Reformation und dem Humanismus eingesetzt habe, habe zu einer Blüte der Stadt geführt. Die Gegenbewegung der katholischen Obrigkeit habe sich nicht nur katastrophal auf die persönliche Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch auf die intellektuelle Situation und die wirtschaftliche Entwicklung Wiens ausgewirkt, ein Nachteil, der erst ab  Mitte des 19. Jahrhunderts wieder ausgeglichen werden konnte.

„Heute“, so der Bischof, „kann nicht nur ich dankbar sein für unsere weltoffene und blühende Metropole“. 2017 werde es in Wien „viel zu sehen und zu erleben geben“, etwa die Originalabschrift des Augsburger Bekenntnisses in der Ausstellung im Wien Museum bis hin zum Europäischen Evangelischen Reformationsball.

Die hohe Auszeichnung gelte den Gemeinden und Einrichtungen der Evangelischen Kirche und der Diakonie, erklärte Bünker. Der Bogen evangelischer Aktivitäten spanne sich vom Flüchtlingsdienst über die Schulen, von den Sozialinitiativen zu den interreligiösen Begegnungen, von den unterschiedlichen Gemeinschaftsformen und der Begleitung der Menschen auf ihren Lebenswegen hin zu den Kulturveranstaltungen, den Festen und Feiern. In allen Bereichen geschehe die Arbeit professionell und unter Beteiligung zahlreicher Freiwilliger. „So leistet das evangelische Leben in der Stadt einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte der Bischof. Bünker abschließend: „Wien kann sich auf die Evangelischen verlassen. Sie werden sich einsetzen für die Schwachen, sie werden ihre Stimme erheben und für die eintreten, die nicht gehört werden, sie werden ein tragfähiges Netz der Gemeinschaft bleiben, und, wenn es nötig ist, werden sie für die, für die sie da sind, auch laut und lästig sein.“

Fotos (auch in Druckqualität) unter evang.at/themen/fotos/

ISSN 2222-2464