Wien: Baufeld des „Campus der Religionen“ gesegnet

Auf ein gutes Miteinander: Am 19. Juni wurde das Baufeld des "Campus der Religionen" in der Seestadt Aspern gesegnet. An der Feier nahmen unter anderem Superintendent Hansjörg Lein und Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, teil. (Foto: M. Schomaker)
Auf ein gutes Miteinander: Am 19. Juni wurde das Baufeld des „Campus der Religionen“ in der Seestadt Aspern gesegnet. An der Feier nahmen unter anderem Superintendent Hansjörg Lein und Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, teil. (Foto: M. Schomaker)

Lein: „Religionen wollen zum Frieden in der Stadt beitragen“

Wien (epdÖ) – Gemeinsam einen Ort zu schaffen, an dem Menschen aller Religionen und Konfessionen Kraft tanken und in Dialog treten können – das ist das Ziel des „Campus der Religionen“ in der neu entstehenden Wiener Seestadt. Das Baufeld wurde am Freitag, 19. Juni, von allen beteiligten Religionsgemeinschaften gesegnet. Darüber hinaus kündigen nun zehn Fahnen auf dem Bauplatz den „Campus der Religionen“ an: Sechs zeigen die Symbole der vertretenen Glaubensgemeinschaften, vier weitere stehen für Europa, Österreich, Wien und den 22. Gemeindebezirk. Anwesend waren neben Vertretern der christlichen Kirchen, der Israelitischen Kultusgemeinde, der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Buddhistischen Religionsgesellschaft auch der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und der Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy.

Man wolle ein Zeichen des Friedens setzten, betonte der Wiener evangelische Superintendent, Hansjörg Lein. „Die Religionen möchten zum Frieden in dieser Stadt beitragen und daran mitarbeiten, dass auch in Zukunft dieser Frieden gewahrt und sogar ausgebaut wird.“ Die Menschen sollen auf dem Campus einander kennen und schätzen lernen und miteinander neue Wege gehen, sagte Lein.

Stadtrat Michael Ludwig ist es wichtig, dass in der Seestadt auch ein Raum entsteht, in dem sich die Religionen gemeinschaftlich entfalten können. „Hier wird auf vielfältigste Weise für das Wohl der Bewohner gesorgt, nun wird es auch einen Ort geben, wo sie ihrer Spiritualität nachgehen können“, meinte Ludwig.

Bis 2030 wird auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern in Wien-Donaustadt ein neuer Stadtteil für rund 40.000 Menschen, die dort wohnen oder arbeiten werden, errichtet. „Wir haben überlegt, welchen Beitrag die Religionen zu diesem Projekt leisten können, und haben uns in den letzten zwei Jahren intensiv ausgetauscht“, berichtete der Wiener katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki. In der Seestadt solle ein Ort entstehen, an dem die Religionsgemeinschaften versammelt sind und „auf Augenhöhe“ miteinander ins Gespräch kommen können. Jede Religionsgemeinschaft wird in der Seestadt mit einem einzelnen Gotteshaus vertreten sein, die alle rund um einen ovalen Platz gruppiert sind. Darüber hinaus ist ein Saal für Veranstaltungen, der gemeinsam genutzt wird, geplant. Auch eine gemeinsame Verwaltung könnte es geben, so Schutzki.

Erzpriester Drago Vujic von der Serbisch-orthodoxen Kirche unterstrich die Notwendigkeit, an diesem Ort in Zukunft gemeinsam vertreten zu sein: „Wo Menschen neu einziehen, muss man auch etwas für die Seele tun.“ Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Fuat Sanac, sieht es als einen „großen Ausdruck des Friedens, wenn sich hier in Zukunft die Menschen verschiedener Religionen zusammenfinden und so besser kennen lernen“. Er kann sich vorstellen, dass das Projekt Vorbild für andere Städte werde, da es einen wichtigen Beitrag zum religiösen Frieden leiste. Für Raimund Fastenbauer von der Israelitischen Kultusgemeinde ist der Campus ein „wichtiges und sichtbares Zeichen für Akzeptanz und Frieden“, da ein solches interreligiöses „Gemeinschaftsdenken“ keinesfalls selbstverständlich sei. Deswegen sei es auch für die Israelitische Kultusgemeinde wichtig, an diesem Projekt beteiligt zu sein, auch wenn die Zahl der jüdischen Bewohner der Seestadt wahrscheinlich eher gering sein werde. An diesem Ort könne etwas Einzigartiges entstehen, betonte auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, und schloss sich mit der buddhistischen Formel „Mögen alle Wesen glücklich sein“ dem Segen an.

In einem nächsten Schritt werden nun die Kirchen und Religionsgemeinschaften gemeinsam einen Masterplan für die Umsetzung des Campus erstellen. Ein genauer Zeitpunkt für den Baubeginn steht noch nicht fest. „Der Weg ist das Ziel“, hieß es diesbezüglich von Seiten der Religionsgemeinschaften.

ISSN 2222-2464