Wenn Flüchtlinge Erlebtes verarbeiten

Menschen auf der Flucht, darunter auch viele Kinder, haben oft Unverstellbares erlebt. Ein Angebot des Diakoniewerkes hilft beim Zurückfinden in die Gesellschaft. Foto: Diakoniewerk
Menschen auf der Flucht, darunter auch viele Kinder, haben oft Unverstellbares erlebt. Ein Angebot des Diakoniewerkes hilft beim Zurückfinden in die Gesellschaft. Foto: Diakoniewerk

Stabilisierungsgruppe von Diakoniewerk und Rotem Kreuz hilft in OÖ

Linz (epdÖ) Menschen auf der Flucht haben oft Unvorstellbares erlebt. Sie damit nicht alleine zu lassen und in unsere Gesellschaft einzugliedern, dazu hilft die Stabilisierungsgruppe „Cunabula“, ein Kooperationsprojekt von Diakoniewerk OÖ und dem Roten Kreuz. Umgesetzt wird es mit Unterstützung des Landes OÖ.

Krieg, Gewalt, Terror und die ständige Angst vor dem Tod. Mehr als 66 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Auch in Oberösterreich hoffen aktuell 10.340 Asylwerber und Menschen mit einem positiven Asylbescheid, sich in ihrer neuen Heimat eine neue Existenz aufbauen zu können. Eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft erfordert unterschiedliche Maßnahmen. „Die Stabilisierungsgruppe Cunabula leistet dabei einen großen Beitrag“, heißt es in einer Aussendung des Diakoniewerks. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein niederschwelliges Angebot für traumatisierte Asylwerbende zur psychischen Stabilisierung. Gemeinsam mit den Teilnehmern wird ein Traumakonzept erarbeitet, damit sie die Möglichkeit haben, ihr eigenes Erleben einzuordnen, eigene Ressourcen und Stärken wieder zu spüren und den „Boden unter den Füßen“ zurück zu gewinnen. Durch die Zusammensetzung der Gruppe können die Teilnehmer sich gegenseitig im Umgang mit ihren Problemen unterstützen und voneinander lernen. Darüber hinaus können sich Zweckgemeinschaften und Freundschaften entwickeln, die auch nach Ende der Gruppe Unterstützung für die Betroffenen bedeuten.

Bereits im Herbst startete das Pilotprojekt in einer Kleingruppe von acht Personen. Gemeinsam wurden Ansätze erarbeitet, wie die Gruppe mit Symptomen wie Angst, Hochstresssituationen, Flashbacks oder Schmerzen besser umgehen kann. Gleichzeitig wurden auch Wege aufgezeigt, die vorhandenen Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen. Das Projekt soll Betroffenen auf diese Weise helfen, neue Hoffnung zu finden und mehr Handlungsfähigkeit im Alltag zu erlangen. „Wir helfen dabei, Menschen in unsere Gesellschaft einzugliedern“, sagt der Geschäftsführer des Diakoniewerks Oberösterreich, Johann Stroblmair. „Aus Liebe zum Menschen, unabhängig von Kultur und Philosophie, von Geografie und Herkunft stärken wir den Zusammenhalt“, ergänzt der Präsident des Roten Kreuzes in OÖ, Walter Aichinger.

Seit 2014 begleiten im Auftrag des Landes OÖ das Diakoniewerk und das Rote Kreuz verstärkt Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. In geeigneten Grundversorgungsquartieren verbringen die Flüchtlinge unter Achtung der Menschenwürde, der Familieneinheit sowie unter Rücksichtnahme geschlechtsspezifischer, ethnischer und religiöser Aspekte die Wartezeit bis zum Bescheid über ihren Asylantrag. Die Mitarbeitenden stellen in den Quartieren die Grundversorgung sicher, schaffen für die begleiteten Personen eine Tagesstruktur, ermöglichen Deutschkurse und organisieren Schul- und Kindergartenplätze. Hilfestellung bei Behördenwegen wird ebenso angeboten wie adäquate Freizeitbeschäftigungen. Neben der Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten stehen die gesundheitliche Stabilisierung und das Aufzeigen von Perspektiven im Mittelpunkt der Betreuungsarbeit. Mit der Umsetzung der Stabilisierungsgruppen wird nun auch Hilfe im Bereich der psychischen Gesundheit angeboten. Durch dieses Angebot soll dieser Zielgruppe bei den Asylwerbern rechtzeitig geholfen und dadurch eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes verhindert werden.

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ISSN 2222-2464