Weltreligionen im Dialog mit der Medizin

Körtner: Wiener Tagung zeigte Vielschichtigkeit der Positionen

Wien, 16. November 2005 (epd Ö) – Mit den Grenzbereichen des Lebensbeginns und des Lebensendes befasste sich ein interreligiöses Symposion, zu dem das Institut für Ethik und Recht in der Medizin (IERM) am vergangenen Freitag und Samstag in die Aula am Wiener Uni-Campus geladen hatte.

Ziel des Symposions war es, Christen, Juden, Muslime und Buddhisten zu diesem Thema miteinander ins Gespräch zu bringen. Wie der Leiter des IERM, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Körtner, im Gespräch mit epd Ö betonte, habe das Symposion die „Vielschichtigkeit und Vielstimmigkeit“ gezeigt, mit der Stellungnahmen in den unterschiedlichen Weltreligionen erarbeitet werden. Das gut besuchte Symposion – rund 100 Personen haben jeweils an den beiden Tagen teilgenommen – habe die „wechselseitige Wahrnehmung“ ermöglicht und gefördert. Während es etwa im zentralistischen Lehramt der Römisch-katholischen Kirche leicht sei, offizielle Positionen zu artikulieren, stelle sich die Situation im Buddhismus völlig anders dar. Das Symposion, so Körtner, habe dazu geholfen, „wichtige Fremdheit“ zu erfahren und zu erleben, wie unterschiedlich sich die einzelnen Weltreligionen um Positionen bemühen. Dabei sei die Frage der Hermeneutik auf dem Weg zu Stellungnahmen deutlich hervorgetreten. Angesprochen wurden auch die multikulturellen Herausforderungen im medizinisch-pflegerischen Alltag. Weitere Referate und Diskussionsrunden befassten sich mit den politischen und globalen Aspekten, wie etwa möglichen Rahmenbestimmungen auf UNO- oder UNESCO-Ebene. Darin sieht Körtner auch ein interessantes Folgethema für weitere Veranstaltungen im interreligiösen Dialog.

Als Referenten konnte der Wiener Theologe namhafte Experten aus den Bereichen der Medizinethik oder der Philosophie gewinnen, wie etwa den jüdischen Medizinethiker Yves Nordmann (University of Maryland/USA) oder den Philosophen Thomas Macho (Berlin).

ISSN 2222-2464