Weltautismustag rückt Betroffene ins Bewusstsein

Im Diakoniewerk Gallneukirchen erhalten Menschen mit Autismus Unterstützung und Hilfe. (Foto: Diakoniewerk Gallneukirchen)
Im Diakoniewerk Gallneukirchen erhalten Menschen mit Autismus Unterstützung und Hilfe. (Foto: Diakoniewerk Gallneukirchen)

Diakoniewerk bietet Angebote für Menschen mit Autismus an

Gallneukirchen (epdÖ) – Eine unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns in unterschiedlichen Schweregraden und Ausprägungen, so lässt sich Autismus beschreiben. Am 2. April – dem „Weltautismustag“ – sollen diese Erkrankung und die Betroffenen ins Bewusstsein gerückt werden. Zahlreiche Spezialisten und medizinische Einrichtungen, aber auch karitative Organisationen nehmen sich der Menschen mit Autismus an. Eine davon ist das Diakoniewerk.

Das Diakoniewerk mit Sitz in Gallneukirchen hilft seit vielen Jahren Menschen mit Autismus mittels Beratung, frühkindlicher Förderung und therapeutischen Angeboten sowie Angeboten in den Bereichen Bildung (Kindergarten und Hort), Arbeit und Wohnen. Diese langjährige Erfahrung und Expertise spiegelt sich in der fachkundigen, individuellen Begleitung, aber auch in der kritischen, konzeptgeleiteten Reflexion der Arbeit wider. Heute begleitet das Diakoniewerk mehr als 100 Menschen im Autismusspektrum in seinen Bildungs- und Wohneinrichtungen und mit seinen Beschäftigungsangeboten. Menschen im Autismusspektrum haben, so das Diakoniewerk, aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse einen intensiveren Begleitungsbedarf, der nur mit ausreichend Fachpersonal in den Einrichtungen gewährleistet werden kann. Ihre Sensibilität auf Reize verlange spezielle betreuerische Methoden, so werde das Erleben in der Gruppe von Menschen mit Autismus dann als positiv empfunden, wenn die Gruppen klein sind und Gruppenaktivitäten strukturiert verlaufen.

„Menschen mit Autismus brauchen ein Gegenüber, das sensibel ist – dafür, dass sie ihre Umwelt anders wahrnehmen und soziale Prozesse und Begegnungen anders verarbeiten. Deshalb brauchen sie Verständnis und konkrete Unterstützung und Begleitung im Alltag, die auf diese besonderen Bedürfnisse abgestimmt sind. Das Diakoniewerk trägt dazu bei, dass Menschen mit Autismus trotz ihrer herausfordernden Lebenssituation so gut wie möglich entsprechend ihren Bedürfnissen an der Gesellschaft teilhaben können“, erklärt Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerks.

Seit 2013 werde im Therapiezentrum Linzerberg in Engerwitzdorf/Gallneukirchen ein Soziales Kompetenztraining für Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren mit Autismusspektrumsstörungen (ASS) angeboten. Kinder mit ASS hätten oft Angst vor sozialen Situationen, fühlen sich überfordert in Gruppen und nehmen ihre Umwelt anders wahr. Sie reagieren auf bestimmte Geräusche, visuelle oder taktile Reize empfindlicher oder unempfindlicher als andere Kinder. Neue Situationen, Veränderungen im Alltag können zu einer heftigen Verunsicherung führen. Diese Überforderungen erzeugen Konflikte, und die Kinder reagieren mit emotionalen, aggressiven Ausbrüchen, monologisierendem Sprechen oder mit Rückzug und Isolation. Kindern mit ASS könne ein spezielles Training aber einen Erfahrungsraum bieten, in dem zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Einen weiteren Fokus in der Begleitung stellen auch die Übergänge von der Schule in die Arbeitswelt beziehungsweise vom Wohnen zuhause zum Wohnen in einer Einrichtung dar.

Im Oktober 2015 startet die Diakonie-Akademie eine zertifizierte Weiterbildung „Autismusspektrumsstörung“. Im Rahmen dieser Weiterbildung erwerben die TeilnehmerInnen neben umfangreichem Wissen über das Thema Autismus und den Umgang mit Menschen mit Autismusspektrumsstörung wertvolle Kompetenzen für ihre tägliche Praxis. Mögliche Interventionen und präventive Angebote in Bezug auf herausforderndes Verhalten sollen erlernt werden. Zusätzlich sind Fallsupervisionen mit Videoanalysen vorgesehen.

Zielgruppe sind MitarbeiterInnen in der Behindertenarbeit, PsychologInnen, PädagogInnen und alle Interessierten. Der Lehrgang startet am 21. Oktober 2015 und endet im Jänner 2017. Genauere Informationen unter T. 07235/63 251 DW 272 oder unter Im Rahmen des Weltautismus-Tages am 2. April findet weltweit die „Light it up blue“- Kampagne statt: Zahlreiche Gebäude werden blau beleuchtet, um für das Thema Autismus zu sensibilisieren. In Oberösterreich beteiligt sich das Diakoniewerk an der trägerübergreifenden Kampagne mittels verschiedener Aktionen, beispielsweise mit einem Infoscreen-Spot in den Linzer Straßenbahnen, um die Öffentlichkeit zum Thema Autismus zu informieren.

Weitere Infos gibt es im Internet: www.autismspeaks.org

ISSN 2222-2464