Weiland: Für eine zukunftsfähige Kirche, die zu den Menschen geht

Fragen des Kirchenbeitrags prägten die NÖ-Superintendentialversammlung in Mödling

Mödling (epd Ö) – Zukunftsfähige Kirche in einer Welt der Umbrüche und Verunsicherungen ist eine Kirche, die zu den Menschen geht und für sie da ist. Das erklärte der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland bei der Superintendentialversammlung am Freitagabend, 24. April, in Mödling. Die beste Ausgangsposition dafür sei die Botschaft „Du gehörst dazu, wer immer du bist und was immer du hast oder nicht hast“, betonte der Superintendent vor den Delegierten der 26 niederösterreichischen Pfarrgemeinden.

Weiland plädierte für eine „Wiederentdeckung der Rechtfertigungslehre“, deren Grundbotschaft „Du gehörst dazu“ laute. Diese Botschaft gelte Menschen, die aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert wurden, ebenso wie jenen, die sich nicht voll in die Leistungsgesellschaft eingliedern können, Menschen mit Behinderung, Kranken und Verunsicherten oder jenen, „die sich nichts mehr leisten können“. Die Rechtfertigungslehre helfe zu einer Haltung, „die auch mit Begrenztheiten und Einschränkungen fertig werden“ könne. Trotz hervorragender Pflegeheime brauche es etwa auch eine ausgewogene Balance zwischen qualifizierter Fachbetreuung und „menschlicher Begleitung und Begegnung“.

In Zeiten der Krise sei eine Haltung der Gelassenheit und Zuversicht die beste Voraussetzung, „um den Veränderungsbedarf in der Kirche nüchtern zu erkennen und die nötigen Reformen mutig anzupacken“. Weiland: „Ängstlichkeit lähmt, Verliermentalität macht nervös. In Gelassenheit und Zuversicht liegt die Kraft.“ Diese Gelassenheit habe ihren Grund nicht nur in den „Erfahrungswerten der Aussagen von Jesus Christus in den vergangenen 2000 Jahren“, sondern auch darin, „dass wir – wenn wir vom Zentrum unseres Glaubens ausgehen – gar nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiproduzieren können, an denen der Menschen in der heutigen Umbruchszeit schon gar nicht“.

Der Superintendent sprach sich in seinem Bericht für eine „Konzentration auf Gottesdienste als Zentrum kirchlichen Handelns“ aus. Es gehe darum, den Gottesdienst wiederzugewinnen als „zentralen Ort christlicher Gemeinschaft, als Zentrum der Sammlung und Sendung“. Nur von dort her werde sich christliche Gemeinde und Gemeinschaft aufbauen, zeigte sich der Superintendent überzeugt.

Die Mitgliederzahlen stagnierten im letzten Jahr. Ende 2008 gehörten 40.491 Menschen der Evangelischen Kirche in Niederösterreich an, im Jahr davor waren es um 108 mehr. Den Großteil des geringfügigen Rückgangs von 0,25 Prozent sieht Weiland in statistischen Bereinigungen begründet. Gesunken ist die Zahl der Austritte ebenso wie jene der Eintritte, während die Taufen ebenso wie die Beerdigungen zugenommen haben. „Handlungsbedarf“ sieht Weiland bei den Trauungen, da hier ein starker Einbruch (- 30 Prozent) zu verzeichnen war. „Lassen grundsätzlich weniger Ehepaare ihren gemeinsamen Weg segnen oder verlieren wir durch die Zunahme katholischer Trauungen mit evangelischer Assistenz?“, fragte der Superintendent.

Fragen des Kirchenbeitrags prägten die Sitzung am Samstag. Der frühere Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Peter Püspök, sprach über „Die Kirche und das liebe Geld“ und informierte dabei auch über die Arbeit von Oikokredit. Als Vorstandsvorsitzender des Österreich-Ablegers leitet Püspök die Arbeit der Organisation, die Mikrokredite vergibt und so weltweit Armut bekämpft. Neue Ideen zum Thema Kirchenbeitrag stellte Kirchenrat Walter Gösele vor. Über die notwendige Öffentlichkeitsarbeit für den Religionsunterricht sprach die Religionspädagogin Elisabeth Kristan.

ISSN 2222-2464