Weiland: „Bildung ist Kennzeichen evangelischen Glaubens“

Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour, Superintendent Paul Weiland und Bischof Michael Bünker (im Bild von li nach re) unterstrichen in ihren Statements den hohen gesellschaftlichen Wert von Bildung (Foto: epdÖ/M. Uschmann)
Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour, Superintendent Paul Weiland und Bischof Michael Bünker (im Bild von li nach re) unterstrichen in ihren Statements den hohen gesellschaftlichen Wert von Bildung (Foto: epdÖ/M. Uschmann)

Innovativer Deutschkurs für Asylwerber vorgestellt

St. Pölten (epdÖ) – „Bildung ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern auch für die Gesellschaft und für das Zusammenleben. Dies wird in den täglichen Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen spürbar“, sagte der Superintendent der Evangelischen Kirche in Niederösterreich Paul Weiland am 5. Februar in St. Pölten. Gemeinsam mit Bischof Michael Bünker und Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour präsentierte er vor Medienvertretern die niederösterreichischen Schwerpunkte des Jahres der Bildung der Evangelischen Kirchen in Österreich.

Bildung sei nicht nur für die Evangelischen Kirchen ein zentrales Anliegen, sondern auch gesamtgesellschaftlich ein wichtiger Schwerpunkt, so Weiland. Als wichtige Eckpunkte der Bildung bezeichnete der Superintendent die Würde des Menschen, seine Selbstverantwortung und seine Verantwortung für andere. Dies gelte auch im religiösen Bereich. „Bildung gehört zum Evangelisch-Sein dazu. Bildung, Leben und Glauben gehören zusammen.“ Dass Bildung eines der Kennzeichen des evangelischen Glaubens ist, sei gerade auch an der Geschichte Niederösterreichs deutlich zu sehen. Mit der raschen Verbreitung der Reform-Gedanken von Martin Luther in Niederösterreich waren im 16. Jahrhundert nicht nur die meisten Adeligen und mehr als zwei Drittel der Bevölkerung evangelisch, in fast allen Dörfern und Städten wurden Schulen errichtet und pädagogische Konzepte entwickelt, betonte Weiland und nannte Beispiele aus Loosdorf oder die Region rund um Mitterbach, wo Holzknechte aus dem Salzkammergut ihren evangelischen Glauben mitbrachten und in Folge auch eine Schule errichteten.

Den hohen gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung strich auch Bischof Michael Bünker heraus. Bei der Reformation habe es sich auch um eine Bildungsbewegung gehandelt, sollte doch jeder und auch jede die Bibel selbständig lesen können. „Religion braucht Bildung. Weil die Reformation den Glauben so eng mit der Bildung verbunden hat, haben die Evangelischen Kirchen in Österreich beschlossen, auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 ein ganzes Jahr besonders der Bildung zu widmen“, erklärte Bünker. Die Forderung nach mehr Bildung richte sich heutzutage aber auch an die Politik. Im Jahr der Bildung wollen die Kirchen deswegen auch ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und politische Forderungen erheben, etwa nach einer besseren Finanzierung des Bildungssystems in Österreich. „Wir haben ein starres Bildungssystem, in dem die soziale Herkunft, die Einkommensverhältnisse der Eltern und ihre Bildungsnähe bzw. -ferne darüber entscheiden, welchen Bildungsabschluss Kinder und Jugendliche erlangen. In Österreich ist hier die Bilanz besonders schlecht und negativ“, meinte Bünker. In diesem Sinne seien auch Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Inklusion zentrale Forderungen der Evangelischen Kirchen.

Superintendentialkuratorin Malekpour: Verantwortung für Zivilgesellschaft

Das innovative Projekt „Deutschlernen im Netz“ stellte Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour vor. „Aufgrund der in bereits zwölf evangelischen Pfarrgemeinden Niederösterreichs abgehaltenen Deutschkurse durch Ehrenamtliche für Asylwerber mussten wir immer mehr feststellen, dass ein bis zwei Deutschstunden pro Woche bei weitem nicht ausreichen, um adäquate Kenntnisse zu erlangen“, berichtete Malekpour. Obwohl der Deutschunterricht für Asylwerber enorm wichtig sei, gebe es staatlicherseits keine Unterstützung. Neben ehrenamtlich Unterrichtenden müssten auch Lernmaterialien durch Spendenmittel finanziert werden. „Die Evangelische Kirche übernimmt hier eine Verantwortung, die eigentlich der Zivilgesellschaft zukommen würden“, sagte Malekpour. „Um das Lernen zu erleichtern, haben wir uns dazu entschlossen, in Kooperation mit einem Betreiber mehrerer Unterkünfte in Niederösterreich ein computergestütztes Programm zu erstellen, das – in Modulen aufgebaut – den SchülerInnen jederzeit und je nach Anspruch und Fähigkeiten die Möglichkeit bietet, ihre Deutschkenntnisse rascher zu verbessern.“ Derzeit werden die Inhalte des Lernprogramms noch ausgearbeitet, die dann über WLAN kostenfrei nutzbar sein sollen.

Bereits jetzt sei das Bildungsjahr voll im Gange, erläuterte Superintendent Weiland weiter. Die evangelischen Pfarrgemeinden planen eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Thema Bildung, im Religionsunterricht recherchieren Schülerinnen und Schüler den Lebenslauf prominenter evangelischer Persönlichkeiten und stellen die Biographie auf Rollups dar. Darüber hinaus wird eine Reihe von Publikationen veröffentlicht, es gebe aber auch „spielerische“ Beiträge wie die Herausgabe eines Quartetts und eines Memoryspiels mit Motiven evangelischer Kirchen.

Das Jahr 2015 haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich zum Schwerpunktjahr der Bildung erkoren. Zahlreiche thematische Veranstaltungen werden die kommenden Monate prägen, darunter etwa eine Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die Vorstellung und Diskussion des „Evangelischen Bildungsberichts“ sowie eine Veranstaltung unter anderem mit der „Luther-Botschafterin“ Margot Käßmann. In den evangelischen Pfarrgemeinden wird das Thema Bildung österreichweit in den Gottesdiensten am 15. März Thema sein.

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ISSN 2222-2464