Weiland: Allianz der Christlichkeit bilden

Ökumenisches Mittagessen in NÖ-Landhaus – Pröll: „Gutes und ehrliches Verhältnis“ zwischen Land und Kirchen

St. Pölten, 28. April 2004 (epd Ö) In der Flüchtlingsfrage hat sich der niederösterreichische Superintendent Mag. Paul Weiland für eine „Allianz der Christlichkeit“ ausgesprochen. „Niemand von uns redet von einer unbegrenzten Aufnahme oder gar vom Hereinlocken der Menschen. Aber diese Menschen sind da. Sie können nicht zurück, und wir haben keinen Platz für sie. Das ist eines christlichen Landes wie Österreich unwürdig“, sagte Weiland beim traditionellen ökumenischen Mittagessen, zu dem der niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll am Dienstag, 27. April, Vertreter der Kirchen ins Landhaus nach St. Pölten geladen hatte. Land und Kirchen könnten so ein gemeinsames Zeichen setzen, dass es „gerechter und hoffnungsvoller für alle Menschen in unserem Land wird“.

Gerade bei „aktuellen Problemfeldern wie der Flüchtlingspolitik und im Hinblick auf die neue europäische Situation“ sei die Zusammenarbeit zwischen Land und Kirchen wichtig, erklärte Landeshauptmann Pröll. „Es kann nicht sein, dass nur wenige Länder diese Probleme tragen. Die anderen Länder, bis auf Wien, die ihre Quote bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht erfüllen, verschließen ihre Augen. Das darf es nicht geben“, so der Landeshauptmann. Weiters wies Pröll auf das „neue Europa“ hin. Es sei wichtig, dass „das neue Europa auf christlichen Grundwerten“ verankert sei. Aufgabe der Kirchen und des Landes sei es, „langsam hinzuführen auf jene Ebene, dass es im menschlichen Leben mehr gibt, was hält und trägt“.

Superintendent Weiland dankte dem Landeshauptmann, der das Verhältnis zwischen Land und Kirchen als „gut und ehrlich“ beschrieb, für die Offenheit und die Bereitschaft, Anliegen der Evangelischen Kirche aufzunehmen. „Vom Gegeneinander ist über das Nebeneinander ein Miteinander geworden“, sagte Weiland. Als sichtbare Beispiele für das gute Miteinander zwischen Land und Kirche, aber auch der Kirchen untereinander wies Weiland auf den Bau der evangelischen Kirche in Waidhofen an der Thaya hin, in dem Elemente der evangelischen, griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen Spiritualität enthalten seien. In Waidhofen an der Ybbs wird die aus dem 13. Jahrhundert stammende Bürgerspitalkirche in Zukunft wie bisher von der römisch-katholischen Kirche genutzt werden und auch regelmäßiger Gottesdienstort der evangelischen Gemeinde sein.

Schönborn: Gemeinsame Verantwortung mit verschiedenen Akzenten

Kardinal Dr. Christoph Schönborn erinnerte in seiner Ansprache an den verstorbenen Kardinal Dr. Franz König. „Für das Land Niederösterreich war er ein bedeutsamer Mensch, Christ und Brückenbauer“, so Schönborn. Er werde auch in ferner Zukunft nicht vergessen sein. Schönborn betonte die „gemeinsame Verantwortung mit verschiedener Akzentuierung“ in der sozialen Frage. Dass „Menschen, die in ihrem Land keine Lebenschance bekommen, versuchen, in ein Land mit Lebenschance zu kommen, müssen wir verstehen und diskutieren“, erklärte Schönborn. Es sei wichtig, die Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kirchen „nicht über die Medien mit plakativen Anschuldigungen, sondern im ehrlichen, offenen Gespräch intern“ zu suchen. In seiner Rede wies der Kardinal auch auf die „Wallfahrt der Völker“ hin, die im Mai in Mariazell stattfinden wird.

ISSN 2222-2464