„Weg des Buches“ nach Deutschland verlängert

Aufgrund des großen Erfolgs wurde der "Weg des Buches" nach Deutschland verlängert. Außerdem ist erstmals ein Wanderpass für jene erhältlich, die auf den Spuren der ehemaligen Bibelschmuggler unterwegs sind. Foto: Graimann
Aufgrund des großen Erfolgs wurde der "Weg des Buches" nach Deutschland verlängert. Außerdem ist erstmals ein Wanderpass für jene erhältlich, die auf den Spuren der ehemaligen Bibelschmuggler unterwegs sind. Foto: Graimann

Erstmals Wanderpass mit Tipps, Liedern und Glaubenssprüchen erhältlich

Wien (epdÖ) – Aufgrund des großen Erfolgs und anlässlich der 450-Jahrfeiern „Reformation in Ortenburg“ hat die Evangelische Kirche A.B. in Österreich den „Weg des Buches“ verlängert. Offizieller Start des Themenweges auf den Spuren der Bibelschmuggler durch Österreich ist jetzt Ortenburg in Bayern.

Ortenburg ist seit 1563 ein evangelisch geprägter Ort, eine protestantische Enklave in einer ehemals kleinen evangelischen Reichsgrafschaft, die heuer 450 Jahre Reformation mit Ausstellungen, Gottesdiensten, Vorträgen und Führungen gedenken. Kürzlich wurde sogar ein regionaler Kirchentag anlässlich des Jubiläums gefeiert.

Nach Ortenburg durften die Bibeln, die meist aus Nürnberg und Regensburg kamen, zur Zeit des Geheimprotestantismus geliefert werden. Von dort aus wurden dann unzählige Lutherbibeln, Gesangs- und Gebetsbücher nach Österreich geschmuggelt. In die andere Richtung pilgerten die Geheimprotestanten aus Österreich, um in Ortenburg an Gottesdiensten teilzunehmen – das sogenannte „Auslaufen“. Der Buchschmuggel selbst wurde meist von jungen Burschen betrieben, die unter anderem Salz nach Bayern transportierten und auf dem Heimweg die verbotenen Bücher mitnahmen. Damit eine Lutherbibel bei den strengen Kontrollen nicht erkannt wurde, rissen die Schmuggler meist die erste Seite des Buches heraus, sodass die Zöllner nicht feststellen konnten, um welches Buch es sich handle, da die meisten nicht lesen konnten.

Erstmals in diesem Jahr gibt es auch einen eigenen Wanderpass für alle, die auf den Routen der ehemaligen Bibelschmuggler unterwegs sind. Dieser dient nicht nur zum Nachweis der zurückgelegten Strecke, sondern beinhaltet auch Glaubenssprüche, Lieder und Wanderhinweise. 29 Etappen in Österreich können darin eingetragen werden. Entwickelt wurde der Pass von Charlotte Matthias, der bischöflichen Koordinatorin aus Wien und von Diakon Robert Graimann aus Feldkirchen in Kärnten, die für die Programme und die Weiterentwicklung des evangelischen Weitwanderweges zuständig sind.

Der „Weg des Buches“ ist eine Initiative der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Er führt durch einzigartige Landschaften und bietet Ausblicke von Bergen auf Täler, Wasserfälle und Seen, Wälder und Wiesen. Zur Verbreitung des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ plant die Evangelische Kirche A.B. in Österreich im Jahr 2017 eine Verlängerung des Weges in Richtung Norden zu den Geburtsstätten der Reformation. Im ostdeutschen Zwickau soll die Verlängerung des Weges von Ortenburg auf den Lutherweg Sachsen-Anhalt stoßen, der in die Lutherstadt Wittenberg führt. Die Route wird wichtige Orte des Protestantismus in Deutsch-land und Tschechien miteinander verbinden.

Die Verlängerung des „Weg des Buches“ von Arnoldstein/Agoritschach am Dreiländereck im Süden Österreichs soll über Orte, die an Primož Trubar (1508-1586), einen protestantischen Prediger und Begründer sowohl der slowenischen Schriftsprache als auch der Evangelischen Kirche in Slowenien erinnern, nach Triest führen, von wo die damaligen Bibelschmuggler Gewürze, Tücher und sogennante Drogen bis nach Süddeutschland brachten.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.wegdesbuches.at/

ISSN 2222-2464