Weg des Buches in Ramsau und Schladming eröffnet

Gottesdienst, Festprogramm und Bibelschmuggler – Bischof Bünker: „Gelebte Religiosität“

Ramsau (epd Ö) „Wir gehen heute nicht auf einen Museumsweg, sondern das hier ist gelebte Religiosität“, sagte der lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des „Weg des Buches“ am 4. Oktober in Ramsau. Dies sei auch ein „Weg der Geschichte Österreichs, über die wenige Menschen etwas wissen“. Das Interesse an dem Weg des Buches sei „enorm groß“, stellte Bünker fest. Er freue sich, dass drei Gruppen an dem Weg des Buches mitgearbeitet haben: WanderexpertInnen, die Bibelgesellschaft und ExpertInnen für Kirchengeschichte. All das füge sich „sehr schön zusammen in diesem Buch, besser gesagt: in diesen drei Büchern, dem Wanderbuch, dem Bibelleseplan und dem Buch zum Weg, dem Kirchengeschichtsbuch.“

Dieser Weg könne auch als „meditativer Einkehrweg erlebt werden“, sagte Pfarrerin Margit Leuthold, die den „Weg des Buches“ mit entwickelt und das Projekt geleitet hat. Die Geschäftsführerin von „respect – Institut für integrativen Tourismus“, betonte, dass der Weg des Buches „partizipativ“ angelegt sei: „Dieser Weg ist aus der Kirche heraus entstanden, genauer gesagt, haben ReligionslehrerInnen den Anstoß dazu gegeben.“ Der Weg biete den beteiligten Regionen die Möglichkeit, sich anders und neu zu präsentieren. Zugleich ist der Weg des Buches „auf Nachhaltigkeit angelegt. Und er entspricht den Bedürfnissen von Reisenden heute, denn sie können wählen.“ So biete der Weg des Buches die Auswahl zwischen Radfahren oder Wandern, zwischen einfachen oder Vier-Sterne-Unterkünften oder der Möglichkeit, kurze oder lange Strecken zurückzulegen.“

Innerliches Erlebnis

Stolz zeigte sich der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ramsau, Heinz Prugger: „Seit rund 15 Jahren nun schon arbeiten wir mit der Kirche hier zusammen am Bibelsteig. Umso größer ist meine Freude, dass wir hier nun heute den Weg des Buches eröffnen.“ Nicht umsonst habe die Region den Leitspruch „Ramsau – Die Quelle deiner Kraft“. Prugger: „Es geht nämlich neben dem leiblichen Wohlergehen für unsere Gäste auch um das innerliche Erlebnis, das wir bieten wollen.“ Als Toleranzgemeinde soll in Zukunft diese Besonderheit noch mehr als bisher den Gästen angeboten werden.

„Der „Weg des Buches“ hat mich sofort fasziniert“, sagte Volker Toth, Verlagsleiter der „Edition Tandem“. Er sei „sehr froh“, dass er dieses Projekt umsetzen durfte und die Bücher dazu in seinem „spezifischen und anspruchsvollen Programm“ herausgeben könne. „Unsere Bücher zum „Weg des Buches“ werden mehreren Aspekten gerecht. Wir haben ein klassisches Wanderbuch, wir haben aber auch ein Buch zur Kirchengeschichte und Kultur am Weg, und wir haben den Bibelleseplan, der jede Wegstrecke mit Bibelversen begleitet.“

Bünker: „Weg des Buches“ kann auch zu persönlichem Pilgerweg werden

Die Eröffnung des Weges des Buches war begleitet von einem umfangreichen Festprogramm, unter anderem mit einer Wanderung auf dem „Weg des Buches“ von Ramsau Ort zum Frienerhof in Ramsau. Zuvor aber feierten die Festgäste einen Gottesdienst in der Ramsauer Kirche unter Beteiligung von Bischof Bünker, dem steirischen Superintendenten Hermann Miklas, dem katholischen Theologen und emeritierten Liturgiewissenschaftler Prof. Phillip Harnoncourt und dem Ortspfarrer Wolfgang Rehner. In einem Grußwort unter der Überschrift „Die Bedeutung der Bibel für die Katholiken“ betonte Harnoncourt, dass die Bibel die „Grundlage der Kirchen ist“.“ Es sei „sehr schön, dass wir inzwischen soweit sind, dass es heute ökumenische Bibelrunden gibt.“ Leben bedeute, auf einem Weg zu sein und Glauben bedeute ebenfalls, auf einem Weg zu sein. „Für Wege aber braucht man Wegweiser und Wegzehrung. Beides bieten die Kirchen, in der Bibelauslegung und in den Sakramenten.“ Längst hätten die Kirchen begriffen, dass sie Weggefährten seien, „schön wäre es, wenn sie auch bald die gemeinsame Wegzehrung hätten.“

In seiner Predigt ist Bischof Bünker dem Motiv des Weges in der Bibel gefolgt: „Gleich zu Beginn finden wir einen Weg in der Bibel, nämlich Gott, der im Paradies geht. Auch Abraham breche mit den Seinen auf und mache sich auf den Weg so wie etwa die Apostel, die das Evangelium auf den Weg zu den Menschen bringen. „Es ist aber nicht so, dass nun jeder, der sich auf den Weg des Buches macht, automatisch auch alle diese Wege geht.“ Der Weg des Buches sei „nicht als Pilgerweg geplant.“ Zunächst einmal sei es der Weg der geschmuggelten Bibeln und Andachtsbücher, denen die Wanderer folgten. Der „Weg des Buches“ könne aber zu einem persönlichen Pilgerweg werden, „dann nämlich, wenn die Menschen den Weg gehen, den dieses Buch vorzeichnet: Dies ist der Weg des Friedens.“

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Chor der Ramsauer Pfarrgemeinde unter der Leitung von Ilse Reiter.

Nach dem Gottesdienst gab es für die über zweihundert TeilnehmerInnen Äpfel, Musik von der Trachtenkappelle Ramsau und Grußworte des Bürgermeisters Helmut Schrempf und des Landtagsabgeordneten Karl Lackner, der auf „Standhaftigkeit“ der Ramsauer in den vergangenen Jahrhunderten hinwies: „Wir können dankbar sein, dass diese Menschen die evangelischen Glaubenswerte gelebt haben“. Im Anschluss ging es dann ein Stück auf dem „Weg des Buches“ von Ramsau Ort zum Frienerhof in Ramsau, freilich nicht ohne unterwegs einem Bibelschmuggler zu begegnen, der den Wandernden seine „ganz neue Ware“ angeboten hat: „Feine Bücher, in Leder gebunden, aber auch einfache Schriften, für jeden Geldbeutel etwas.“

Frienerhof Ramsau: 30 Gemeinden symbolisch dargestellt

Beim Frienerhof in Ramsau angekommen wurden symbolisch die 30 Gemeinden entlang des Weges dargestellt und eine alte Bibel von Mitgliedern aus diesen Gemeinde weiter gegeben. Am Ende dieser Menschenkette nahm Bischof Bünker die Bibel schließlich in Empfang und eröffnete damit den „Weg des Buches“. In einem Festzelt folgten Interviews unter anderem mit den Gastgebern vom Frienerhof, den Biobauern Claudia und Georg Berger. Ministerialrat Karl Schwarz, Autor im „Buch zum Weg“, und Astrid Schweighofer, Mitherausgeberin dieses Werkes, wiesen auf die Bedeutung der Geschichte hin. „Es gibt keine Zukunft ohne Herkunft“, so Schwarz. Man müsse um seine Herkunft wissen, um in die Zukunft gehen zu können. „Wir können nun die Geschichte auch geistig durchschreiten“, betonte Schweighofer. Die Gedenkstätten an Orten auf dem „Weg des Buches“ geben uns die Gelegenheit, in die Geschichte einzutauchen.“ Weitwanderer und AutorInnen vom „Weg des Buches berichteten von ihren Erfahrungen und Schwerpunkten beim Wandern und Schreiben für den „Weg des Buches“: „Für uns stand die Sicherheit im Vordergrund“, betonte etwa Karl Hödl. Die Wege seien „wirklich einfach“ zu gehen, „da wird sicher keiner überfordert.“

Zum Abschluss berichtete Bischof Job Mbwilo aus Tanzania von beginnenden Bibelübersetzungen in seine Stammessprache. Musikalisch begleitet wurde das Festprogramm von der „Ramsauer Bio Musi“, moderiert hat den Nachmittag Udo Bachmair. Weitere Informationen zum „Weg des Buches“ unter wegdesbuches.evang.at.

ISSN 2222-2464