Was bleiben wird

"Als ich das erste Mal die Kerze angezündet habe, war es noch dunkel. Seitdem ist es ein liebgewordenes Ritual am Abend um 8 Uhr..." Foto: pexels
"Als ich das erste Mal die Kerze angezündet habe, war es noch dunkel. Seitdem ist es ein liebgewordenes Ritual am Abend um 8 Uhr..." Foto: pexels

Michael Chalupka über Neues und Bewährtes in der Krise

Als ich das erste Mal die Kerze angezündet habe, war es noch dunkel. Seitdem ist es ein liebgewordenes Ritual am Abend um 8 Uhr, sich zu Hause zu sammeln, den Tag im Gebet zu bedenken und ein Vater Unser zu sprechen. Blicke ich aus dem Fenster, sehe ich Lichter der Hoffnung leuchten bei der Nachbarin im ersten Stock und der Familie gegenüber, von der ich sonst nur weiß, dass sie mit einem Pekinesen spazieren geht. Jeden Abend sind wir im Gebet verbunden. Das tun wir so seit dem 21. März, seit alle Kirchen angesichts der Bedrohung durch das Virus zum täglichen Gebet aufgerufen haben. Diesen Moment möchte ich mir bewahren.

Ich hoffe, dass das Virus verschwindet und wir später unseren Kindern und Enkeln davon erzählen können, wie seltsam es war, Masken tragen zu müssen, einander nicht nahe kommen zu können und keine Gottesdienste feiern zu dürfen in den Zeiten, in denen es nur ein Thema gegeben hat: Corona. Doch ich hoffe auch, dass manches bleibt.

Die Gemeinschaft hat sich bewährt. So hat sich das verbindliche Netz der Pfarrgemeinden in der Zeit der Isolation als tragfähig erwiesen. Der Kontakt ist nie abgerissen, sondern war intensiver denn je. Telefonketten wurden gebildet, Briefe geschrieben, Einkäufe getätigt für Menschen, die sich zu ihrem Schutz isolieren mussten. Solidarität wurde großgeschrieben. Das sollten wir uns bewahren, denn die Folgen der Pandemie werden uns noch lange begleiten.

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ISSN 2222-2464