Warten auf ein Leben ohne Nasenspray

Wir können vom Kranksein etwas lernen, meint Michael Chalupka: "Die Begrenztheit des Körpers anzunehmen, sich über Hilfe zu freuen und vor allem Geduld, ganz viel Geduld." Foto: pixabay
Wir können vom Kranksein etwas lernen, meint Michael Chalupka: "Die Begrenztheit des Körpers anzunehmen, sich über Hilfe zu freuen und vor allem Geduld, ganz viel Geduld." Foto: pixabay

Von Gott und der Welt: Michael Chalupka über die Geduld

Wir sind viele. Viele halten derzeit ihre Köpfe über Töpfe. Der Dampf soll die Bronchien entkrampfen. Viele, denen das Fieberthermometer zum ständigen Begleiter geworden ist, und viele, denen der Arzt nur tröstende Worte spenden und ein paar unterstützende Mittelchen verabreichen kann. Ein grippaler Infekt oder gar die echte Grippe, sie brauchen ihre Zeit. Da hilft nur Geduld und Warten auf Besserung. Wir alle haben das schon einmal erlebt und wissen, es wird wieder anders. Es gibt ein Leben ohne Papiertaschentücher, Nasensprays und Hustentee. Wir wissen das – und trotzdem nagt das schlechte Gewissen. Draußen zieht die Welt vorbei. Die Gesunden müssen für uns Kranke arbeiten und das Unerledigte türmt sich auf den verwaisten Schreibtischen. Es ist unangenehm, aus der aktiven Rolle über Nacht in die Hilfsbedürftigkeit gestoßen zu werden, den Viren und Bazillen hilflos ausgeliefert. Und doch können wir dabei etwas lernen: die Begrenztheit des Körpers anzunehmen, sich über Hilfe zu freuen und vor allem Geduld, ganz viel Geduld. „Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen“, steht in den Klageliedern der Bibel. Zwischen all den Rotz- und Hustenattacken die Köstlichkeit der Geduld zu erspüren, ist allerdings eine meditative Übung, die einen schnell überfordern kann. Da hilft nur die Erinnerung. Es gibt ein Leben ohne Papiertaschentücher, Nasensprays und Hustentee.

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ISSN 2222-2464