„Vorbildliche Ökumene in Österreich“

Schönborn würdigt Zusammenarbeit Kirche-Staat im Österreich-Konvent – Traditioneller ökumenischer Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais

Wien (epd Ö) – Die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Staat und christlichen Kirchen in Österreich hat Kardinal Christoph Schönborn am Montagabend beim traditionellen Ökumenischen Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais hervorgehoben. Schönborn verwies vor allem auf die gute Einbindung der Kirchen in den Verfassungskonvent. Den Kirchen sei dabei von Anfang an auch klar gewesen, dass sie nur gemeinsam bei der Gestaltung der Verfassung ein deutlich vernehmbares Wort sprechen können. „Ohne die Erfahrungen der Zusammenarbeit im Ökumenischen Rat der Kirchen wäre dieser Schritt kaum möglich gewesen“, meinte der Kardinal. Die Zusammenarbeit im Konvent habe jedenfalls aufgezeigt, „wie ein partnerschaftliches Verhältnis von christlichen Kirchen und Staat heute aussehen kann“. Schönborn würdigte das Engagement der Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner, die als Vertreterin der Kirchen dem Konvent angehört.

Als besondere Anliegen der Kirchen für die neue Verfassung nannte Schönborn die unantastbare Würde der menschlichen Person und deren besonderen Schutz am Anfang und Ende des Lebens, die Bewahrung des Sonntags als Tag des Herrn, des Menschen und der Familie sowie die Sicherung der kirchlichen Schulen und des konfessionellen Religionsunterrichts.

Neben dem Österreich-Konvent stand vor allem auch das Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe und das Gebet für sie im Mittelpunkt des ökumenischen Empfangs.

Als „vorbildlich“ bezeichnete der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos die international viel beachtete ökumenische Situation in Österreich. Dies sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Römisch-katholische Kirche seit genau zehn Jahren Vollmitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen ist, so Staikos, der vor Gleixner den Vorsitz im ÖRKÖ innehatte. Aus dem österreichischen Beispiel lasse sich nur folgern, dass die Römisch-katholische Kirche auch in andere nationale ökumenische Räte stärker eingebunden werden sollte. Anzustreben sei überdies auch eine ordentliche Mitgliedschaft im Weltkirchenrat und in der Konferenz der Europäischen Kirchen (KEK).

Ökumenisches Sozialwort wirkt

Die positiven Auswirkungen des ökumenischen Sozialwortes auf Politik und Gesellschaft in Österreich hoben Diakoniedirektor Michael Chalupka und der Direktor der Katholischen Sozialakademie (ksoe), P. Alois Riedlsperger, hervor. So verwies Chalupka etwa auf die oberösterreichische Regierungserklärung von ÖVP und Grünen, die eine Sozialverträglichkeitsprüfung sowie eine Arbeitslosenanwaltschaft beinhaltet. Ebenso sei der freie Sonntag bereits in einigen Landesverfassungen verankert. Wenn sich die Kirchen in der Politik engagieren, dann dürfe dies nicht parteipolitisch missverstanden werden, es gehe vielmehr um den Einsatz für die „res publica“.

Dass das Projekt „Sozialwort“ noch lange nicht abgeschlossen sei, betonte P. Riedlsperger. Vor allem gelte es auch in den kirchlichen Gemeinden und Einrichtungen die Inhalte des Sozialwortes umzusetzen. Konkrete Beispiele sollten in Folge öffentlich vorgestellt und diskutiert werden. In den nächsten Monaten werde es eine intensive Phase der „Evaluierung“ geben.

Was derzeit noch fehle, sei der Dialog über den sinnvollen Umbau des Sozialstaats, betonte Chalupka. Derzeit habe man eher den Eindruck, dass „die Schwächen des Systems verstärkt und die Stärken geschwächt werden“.

Interreligiöser Schülerkalender

Ein europaweit einzigartiges Projekt präsentierten die Wiener römisch-katholische Schulamtsleiterin Christine Mann und der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker: Einen bunt illustrierten SchülerInnenkalender, der von Vertretern der Evangelischen, Römisch-katholischen, Orthodoxen und Altkatholischen Kirchen, sowie der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde gemeinsam erarbeitet wurde und bereits an über 110.000 Schülerinnen und Schüler verteilt werden konnte.

40 Jahre Ökumenismus-Dekret

Dass sich die ökumenische Frage in anderen Kontinenten „oft ganz anders als in Europa“ präsentiere, betonte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl in seinem Bericht über den vatikanischen Kongress in Rocca di Papa zum 40. Jahrestag der Verabschiedung des Konzilsdekrets „Unitatis redintegratio“ vom vergangenen November. Der geschäftsführende Präsident von „Pro Oriente“, Johann Marte, zog beim ökumenischen Empfang eine Bilanz über das abgelaufene Arbeitsjahr. Der jährliche Umfang des Programms von „Pro Oriente“ habe sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. Marte präsentierte auch den von „Pro Oriente“ neu herausgegebenen Führer „Ostkirchen in Wien“.

ISSN 2222-2464