Von Graz nach Sibiu: Ökumenische „Staffelübergabe“

Ökumenisches Wochenende in Graz im Vorfeld der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung

Graz (epd Ö) – Bei einem ökumenischen Gottesdienst am Samstagabend in der Grazer Stadtpfarrkirche erfolgte die offizielle „Staffelübergabe“ für die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (3EÖV). 1997 war die steirische Landeshauptstadt nach Basel (1989) Schauplatz des großen Kirchentreffens, im September 2007 werden sich dann in Sibiu/Hermannstadt die Kirchen Europas versammeln. Im Rahmen des Gottesdienstes übergab der Präsident des Lokalkomitees der Grazer Versammlung, Prof. Grigorios Larentzakis, der rumänischen Delegation jene liturgische Kerze, die bereits das Logo von Basel trägt, später das Logo von Graz bekam und nunmehr auch durch das Logo von Sibiu geschmückt ist.

Eine hochrangige rumänische Delegation, darunter der orthodoxe Metropolit von Transsylvanien, Univ.-Prof. Dr. Laurentiu Streza, der evangelische Bischofsvikar von Siebenbürgen, Dekan Univ.-Prof. Dr. Hans Klein, sowie der römisch-katholische Stadtpfarrer von Sibiu, Dr. Oskar Raicea, war nach Graz gekommen, um im Vorfeld der europäischen Versammlung Erfahrungen auszutauschen. Da Sibiu/Hermannstadt im Jahr 2007 auch europäische Kulturhauptstadt sein wird, darin – indirekt – ebenfalls in der Nachfolge von Graz, gab es in diesen Tagen auch zahlreiche Kontakte auf politischer Ebene.

Das Ökumenische Wochenende im Bildungshaus Graz-Mariatrost stand vom 3. bis 5. Februar unter dem Motto der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung: „Das Licht Christi scheint auf alle – Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“. Dazu referierten Univ.-Prof. Viorel Ionita, Studiendirektor der Konferenz europäischer Kirchen (KEK) in Genf, Univ.-Prof. Dr. Dietmar Winkler aus Salzburg, Oberkirchenrat Prof. Dr. Raoul Kneucker aus Wien, Univ.-Prof. Dr. Grigorios Larentzakis aus Graz, Dekan Univ.-Prof. Dr. Hans Klein aus Hermannstadt sowie der Leiter des Grazer Kulturamtes, Dr. Peter Grabensberger, vor einem etwa 100-köpfigen Publikum. Unter den Tagungsteilnehmern waren auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Bischof Mag. Herwig Sturm, und seine Vorgängerin, Oberin Christine Gleixner.

Der Vorsitzende des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark, Superintendent Mag. Hermann Miklas, betonte in seinem Einleitungsstatement, dass die Art und Weise, wie Christen und Kirchen miteinander umgehen – auch und gerade in konfliktbesetzten Bereichen – Modellcharakter für die Gesellschaft habe. Oberkirchenrat Kneucker führte in seinem Referat aus, dass die Europäische Union bisher auf den beiden Säulen „Wirtschaft“ und „Politische Union“ ruhe. Eine dritte, soziale Säule bzw. die Vorstellung einer Wertegemeinschaft sei in den bisherigen Verträgen nicht enthalten. Wenn man dies wolle, müsse man es nun neu einbringen. Dabei komme den Kirchen eine besondere Rolle zu. Metropolit Laurentiu Streza unterstrich in der Diskussion, dass das in der ökumenischen Begegnung gewonnene bessere Verständnis der anderen nicht zu einer Verwässerung der eigenen Identität führen müsse, sondern oftmals sogar der umgekehrte Effekt zu beobachten sei: wachsende Toleranz und wachsendes Selbstbewusstsein.

ISSN 2222-2464