Vom Tode bedrohter Christ in Afghanistan freigelassen

Evangelischer Appell an Außenministerin – Krömer: Religionsfreiheit wird „mit Füßen getreten“ – Grund- und Menschenrechte umsetzen

Wien/Kabul (epd Ö) – Nach eindringlichen Appellen aus dem Westen ist der vom Islam zum Christentum übergetretene und deshalb von der Todesstrafe bedrohte Afghane Abdul Rahman aus dem Gefängnis entlassen worden. Gründe für die Entscheidung und den Aufenthaltsort des 40-Jährigen nannte Justizminister Sarwar Danish am Dienstag nicht. Die radikal-islamischen Taliban riefen zur Tötung Rahmans auf, der wegen der Abkehr vom Islam in Haft genommen worden war. Deutschland und Italien boten Rahman Asyl an.

Rahman war vor rund 15 Jahren zum Christentum übergetreten, als er in Pakistan für eine Hilfsorganisation arbeitete, die afghanische Flüchtlinge unterstützte. Das afghanische Rechtssystem stützt sich unter anderem auf das islamische Gesetz der Scharia. Die Regierung von Präsident Hamid Karzai befand sich im Fall Rahman in einem Dilemma: Einerseits wollte sie die Forderungen ihrer westlichen Verbündeten erfüllen, andererseits konnte sie die einflussreichen Moslem-Geistlichen nicht verprellen. Die Konservativen in Afghanistan wollen den Islam in dem Land strenger als bisher auslegen.

Am Freitag, 24. März hatte der Präsident der evangelischen Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer, an Außenministerin Dr. Ursula Plassnik appelliert, „darauf einzuwirken, dass in Afghanistan die Religionsfreiheit voll eingeführt und Abdul Rahman ohne Verurteilung auf freien Fuß gesetzt wird“. Für die Evangelischen sei es unverständlich, dass sich in einem Land, in dem sich mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrates zur Stabilisierung der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit internationale Truppen aufhalten, die Religionsfreiheit so „mit Füßen getreten“ wird, schreibt Krömer in seinem Brief an die Außenministerin. Dazu komme, dass auch Österreich nach Afghanistan zweimal Truppenkontingente des Bundesheeres entsandte und darüber hinaus Wirtschaftshilfe leistet. An die Außenministerin richtete Krömer die Bitte, im Rahmen der diplomatischen Möglichkeiten der Republik Österreich, aber auch der EU, darauf einzuwirken, „dass in Afghanistan die Grund- und Menschenrechte, vor allem die Religionsfreiheit, umgesetzt werden“.

ISSN 2222-2464