Vom „halben Feiertag“ zum „persönlichen Feiertag“

Über eine Woche wurde der Regierungsvorschlag zum Karfreitag diskutiert, am Ende fiel die Entscheidung auf einen Vorschlag des Handelsverbandes. Foto: epd/Uschmann
Über eine Woche wurde der Regierungsvorschlag zum Karfreitag diskutiert, am Ende fiel die Entscheidung auf einen Vorschlag des Handelsverbandes. Foto: epd/Uschmann

Eine Chronologie der Diskussion der letzten Woche

Wien (epdÖ) – Viel war hinter und vor den Kulissen diskutiert worden, seitdem die österreichischen Regierungsparteien ÖVP und FPÖ am Dienstag, 19. Februar, mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen waren, den Karfreitag zum „halben Feiertag“ ab 14 Uhr machen zu wollen. Am 22. Jänner hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die seit den 1950er-Jahren geltende Regelung, wonach nur Evangelische und Altkatholische am Karfreitag frei hatten, als diskriminierend eingestuft. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker zeigte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht: „Das öffentliche Versprechen von Minister Gernot Blümel, dass bei der neuen Regelung keinem etwas genommen werden soll, kann ich hier nicht erkennen.

19. Februar: Der „halbe Karfreitag“

Synodenpräsident Peter Krömer schloss sich der Kritik Bünkers an. Die Regelung greife „massiv in das kirchliche Leben ein“, denn der Staat lege nun fest, dass Gottesdienste im Wesentlichen erst nach 14.00 Uhr stattfinden können. Viele Gottesdienste, die bisher am Karfreitagvormittag abgehalten worden waren, würden auch, so Krömer, von ehrenamtlichen Lektorinnen und Lektoren gefeiert. „Sie sind auch ArbeitnehmerInnen und können nun diese Gottesdienste nicht mehr halten.“ Es gebe nur einen „ganzen Feiertag“, hielt der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld fest, der evangelisch-methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs zeigte sich „wenig überraschend wenig begeistert“, und der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner fürchtete bereits, „dass das Thema damit nicht erledigt“ sei.

20. Februar: „Halber Feiertag ein ganzes Armutszeugnis“

Nach dem Ministerrat am Mittwoch, 20. Februar, legte Synodenpräsident Krömer noch einmal nach: Insbesondere die fehlende Berücksichtigung einer Regelung für Feiertage anderer Religionsgemeinschaften stieß Krömer sauer auf: „Die wichtige Frage gesetzlicher Feiertage aller gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich sollte sauber und nicht diskriminierend im Sinne des Unionsrechtes geregelt werden.“ Auch Thomas Hennefeld verschärfte seine Kritik erneut und sprach von einer „Panikaktion“ der Bundesregierung vor dem näher rückenden 19. April: „Ein halber Feiertag sei ein ganzes Armutszeugnis“, die anvisierte Lösung ein „Schlag ins Gesicht der betroffenen Kirchen“.

21. Februar: Eine Petition geht online

Am Donnerstag, 21. Februar, rückten der Kärntner und Osttiroler Superintendent Manfred Sauer und die niederösterreichische Superintendentialkuratorin und Synoden-Vizepräsidentin Gisela Malekpour mit einer Online-Petition für einen „ganzen Karfreitag für alle“ auf den Plan. „Der Karfreitag ist ein essentieller Bestandteil für uns Evangelische, aber uns geht es hier auch um Gleichberechtigung für alle“, sagte Malekpour. Superintendent Sauer ergänzte: „Wir hatten schon vor der Bekanntgabe daran gedacht, so etwas zu starten, wollten aber keine Unruhe im Vorfeld stiften. Als die Entscheidung der Bundesregierung draußen war, gab es für uns keine Alternative.“

22. Februar: „Von gebrochenen Versprechen“

In seiner wöchentlichen „Krone“-Kolumne am Samstag, 23. Februar, zeigte sich der frühere Diakonie-Direktor Michael Chalupka entsetzt über den Umgang mit Minderheiten in Österreich. Es schmerze, „wenn man seine Bedeutungslosigkeit so demonstrativ zu spüren bekommt, wie das die Bundesregierung mit der Zerstückelung des Karfreitags gerade vorexerziert“, schrieb Chalupka, und bezog sich dabei auf Bundesminister Gernot Blümels Versprechen, „niemandem“ werde in Sachen Karfreitag etwas weggenommen: „Demokratie lebt nicht nur von Mehrheiten, die sich auf fünf Jahre zusammenraufen, sondern auch davon, dass sie Minderheiten schützt und ihre Bedürfnisse achtet“, schrieb Chalupka.

24. Februar: Appell für „pragmatische Lösung“

Am späten Sonntagabend, 24. Februar, sprach sich Bischof Michael Bünker in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ dann für eine pragmatische Lösung aus: Der Karfreitag 2019 solle für alle ein Feiertag sein; da der 8. Dezember heuer auf einen Sonntag falle, gleiche sich die befürchtete Kostenbelastung für die Wirtschaft wieder aus. Damit würde man Zeit gewinnen, an einer langfristigen Lösung zu feilen.

26. Februar: Ein „persönlicher Feiertag“

Am Dienstag, 26. Februar, kursierten verschiedene Gerüchte über Abänderungen – auch über einen Tausch des Karfreitags mit dem Pfingstmontag wurde wieder spekuliert. Dann fiel die Entscheidung aber auf den „persönlichen Feiertag“: Innerhalb des bestehenden Urlaubskontingents können ArbeitnehmerInnen nun einen Urlaubstag mit einseitigem Rechtsanspruch nehmen, sofern dieser drei Monate vorher angekündigt wird. Das entspricht dem ursprünglichen Vorschlag des Handelsverbandes. Bischof Michael Bünker zeigte in einer ersten Reaktion dazu gemischte Gefühle. Positiv sei, dass Evangelische nun am Karfreitag frei nehmen könnten und auch Angehörige anderer Religionsgemeinschaften einen Feiertag bekämen. Ein „Wermutstropfen“ sei, dass dafür nur ein schon bestehender Urlaubstag heranzuziehen sei. Synodenpräsident Peter Krömer machte deutlich: „Die Verlierer sind die Evangelischen und die Altkatholiken.“

27. Februar: „Den Interessen der Wirtschaft wurde nachgegeben“

„Den Interessen der Wirtschaft wurde hier offensichtlich nachgegeben“, sagt Bischof Michael Bünker am Mittwoch, 27. Februar, in einem Gespräch über die Hintergründe auf dem Weg zur Karfreitagsregelung. Unverständnis und Enttäuschung äußern zahlreiche Stimmen aus den Kirchen.

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ISSN 2222-2464