Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes tagte in Namibia

Die österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der LWB-Vollversammlung in Namibia, v.l. Olivier Dantine als Delegierter, Roxana Reindl als Jugenddelegierte, Michael Bubik, Ilse Hanak, Norman Tendis und die Journalistin Gertrude Eigelsreiter-Jashari.
Die österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der LWB-Vollversammlung in Namibia, v.l. Olivier Dantine als Delegierter, Roxana Reindl als Jugenddelegierte, Michael Bubik, Ilse Hanak, Norman Tendis und die Journalistin Gertrude Eigelsreiter-Jashari.

Musa Panti Filibus neuer Präsident – Dantine: „Reformation ist Weltbürgerin “

Windhuk (epdÖ) Rund 800 Personen, darunter rund 400 Delegierte aus den weltweit 145 Mitgliedskirchen, nehmen noch bis nächsten Dienstag an der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhuk (Namibia) teil. Gemeinsam begehen die Delegierten im Rahmen der 12. Vollversammlung auch das 500 Jahr-Jubiläum der Reformation. Aus Österreich sind zum Treffen des höchsten Entscheidungsgremiums des Lutherischen Weltbundes der Superintendent der Diözese Salzburg/Tirol, Olivier Dantine, als Delegierter, Roxana Reindl (Graz) als Jugenddelegierte und Michael Bubik (Wien) angereist, der Kärntner Pfarrer Norman Tendis wird im Rahmen seiner Beauftragung für den Weltkirchenrat zwei Workshops leiten.

Dass ausgerechnet die Vollversammlung im Reformationsjubiläumsjahr in Namibia stattfindet – es ist die zweite Vollversammlung in Afrika – hat für Olivier Dantine starke Symbolwirkung: „Die Reformation ist eine Weltbürgerin geworden“, so der Superintendent gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Afrika und Asien sind die Kontinente, in denen die Zahl lutherischer Christen stark ansteigt, Namibia sei das einzige Land außerhalb Europas, in dem die Lutheraner die größte religiöse Gruppe darstellen. In der Zeit des Umbruchs Ende der 1980er-Jahre hat der Lutherische Weltbund die lokalen lutherischen Kirchen unterstützt und damit eine nicht geringe Rolle in der Überwindung des Apartheid-Regimes und der Unabhängigkeit des Landes gespielt. Festzumachen ist diese Verbindung an der Person des früheren Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia, Zephania Kameeta, der als Befreiungsstheologe am Widerstand gegen die Apartheid beteiligt war. In der jungen Republik Namibia, die 1990 die Unabhängigkeit erhielt, hat Kameeta auch an der Ausarbeitung der Verfassung mitgewirkt, nun ist er wiederum als Minister für Armutsbekämpfung und Soziale Wohlfahrt Mitglied der Namibischen Regierung. Beim großen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum am kommenden Sonntag, dem Höhepunkt der Vollversammlung, wird Kameeta die Predigt halten. Zu diesem Gottesdienst im Sam-Nujoma-Stadion im Windhoeker Stadtteil Katutura werden auch etwa 9.000 Lutherische Christen aus Namibia erwartet.

Der Stadtteil Katutura ist ein ehemaliges Township. Gewaltsam wurde ab 1959 die schwarze Bevölkerung Windhoeks dahin umgesiedelt. „Katutura“ heißt in der Sprache der Herero soviel wie „Der Ort an dem wir nicht sein möchten“. Dass die lutherische Weltgemeinschaft ihr Reformationsjubiläum an einem Ort feiert, „wo niemand sein möchte“ sieht Superintendent Dantine als „starkes Symbol, das das Reformationsjubiläum an den Auftrag Jesu rückbindet.“

Das Thema der Vollversammlung lautet „Befreit durch Gottes Gnade“. Die Delegierten widmen sich bis 16. Mai den Themen Erlösung, Menschen und Schöpfung, die „für Geld nicht zu haben“ (not for sale) sind. In den ersten Tagen wurde gerade die Frage der Würde aller Menschen thematisiert. Besonders beeindruckt hat Dantine dabei das Referat von Denis Mukwege, einem Arzt aus Kongo, der sich gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder einsetzt: „Sein Bericht hat große Betroffenheit ausgelöst, sein klarer Aufruf an die Kirchen, das Schweigen zu brechen und tätig zu werden, hat sehr bewegt.“ Mukwege fordert die Kirchen auf, frauenfeindliche Theologie zu überwinden, weil eine solche Theologie letztlich die Gewalt gegen Frauen rechtfertige.

Generalsekretär Martin Junge hat in seinem Bericht an die Vollversammlung auch auf das Engagement des Lutherischen Weltbundes für Flüchtlinge hingewiesen. Dieses Engagement stand am Beginn des LWB, der 1947 gegründet wurde, und hat auch heute große Bedeutung. „Flüchtlinge verlieren oft alles – aber niemals ihre Menschenrechte“ – ist die Botschaft, die an Kirchen, aber auch an Regierungen gesandt wird.

Am Samstagabend wählte die Vollversammlung Musa Panti Filibus zum neuen Präsidenten. Der Erzbischof der Lutheran Church of Christ in Nigeria  folgt auf Bischof Munib Younan von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL), den die letzte Vollversammlung 2010 in Stuttgart gewählt hatte. In einer Rede an die Delegierten der LWB-Vollversammlung anlässlich seiner Nominierung sagte Filibus, seine Prioritäten seien die Pflege der Beziehungen der Kirchengemeinschaft und die Förderung von Mission. Auch Geschlechtergerechtigkeit sowie Diakonie und humanitärer Arbeit nannte Filibus als wichtige Felder. Ebenso die Stärkung der Jugend in der Kirche und der interreligiösen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit.

Filibus war an der Entwicklung des LWB-Grundsatzpapiers zur Gendergerechtigkeit beteiligt. Er sagte, er werde sich für dessen Umsetzung engagieren, wobei es auch darum gehe, „wie man Mitgliedskirchen im Blick auf das Verständnis und die Auseinandersetzung mit diesen Fragen unterstützen kann“. In seiner Heimatkirche war er maßgeblich an dem Prozess beteiligt, der zu der ersten Ordination einer Pfarrerin der LCCN im Jahr 1996 führte.

Filibus berichtete aus seiner Heimat, dass in den nördlichen Diözesen Nigerias vor zwei Jahren viele Gemeinden ihre kirchlichen Aktivitäten einstellen musste. Die Gefahr von Überfällen der Boko Haram auf Gottesdienste war zu groß. „Ich halte es für dringend notwendig, sich mit der Frage der religiös motivierten Gewalt in der heutigen Welt auseinanderzusetzen“, sagte der neue LWB-Präsident.

Der Lutherische Weltbund repräsentiert nach eigenen Angaben rund 74 Millionen Christen in 98 Ländern und 145 Kirchen.

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ISSN 2222-2464