Valentinstag: Österreichische Kirchen gegen Gewalt an Frauen

„Leider gibt es auch Frauen, die biblische Formulierungen wie ‚Liebe erträgt alles‘ so verstehen, dass sie Gewalt in einer Ehe oder Beziehung hinnehmen müssen", sagt Weltkirchenrats-Referentin Nicole Ashwood. Foto: pexels
„Leider gibt es auch Frauen, die biblische Formulierungen wie ‚Liebe erträgt alles‘ so verstehen, dass sie Gewalt in einer Ehe oder Beziehung hinnehmen müssen", sagt Weltkirchenrats-Referentin Nicole Ashwood. Foto: pexels

Ökumenischer Rat der Kirchen unterstützt Kampagne des Weltkirchenrats

Wien/Genf (epdÖ) – Weil der Valentinstag am 14. Februar heuer auf einen Donnerstag fällt, verbindet der Weltkirchenrat (WCC) diesen Tag mit seiner Kampagne „Donnerstags in schwarz”, die gegen Vergewaltigung und Gewalt mobilisieren will. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) schließt sich der Kampagne an. Schon bei der Sitzung des ÖRKÖ-Vorstandes am Mittwoch, 13. Februar, tragen die Mitglieder des Gremiums schwarz. Zusätzlich machen sie mit „Donnerstags in Schwarz“-Buttons auf das weltweite Problem von Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Die Kampagne entstand aus der “Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen” (1988-1998).

Der Weltkirchenrat sei sich bewusst, heißt es in einer Aussendung, dass der Valentinstag ein Tag sei, an dem die Liebe gefeiert wird, doch wolle er auch darauf verweisen, dass das Wort „Liebe“ für viel zu viele Menschen mit Missbrauch und Gewalt einhergeht  „Leider gibt es auch Frauen, die biblische Formulierungen wie ‚Liebe erträgt alles‘ so verstehen, dass sie Gewalt in einer Ehe oder Beziehung hinnehmen müssen. Daher müssen wir diese Bibelstelle (1. Kor 13,7) genauer beleuchten und im Kontext von Gottes Liebe für alle darüber sprechen“, sagt Nicole Ashwood, Referentin des Weltkirchenrat-Programms „Gerechte Gemeinschaft für Frauen und Männer“.

„Opfer bleiben oft still“

Die Kampagne „Donnerstags in schwarz“ wolle deutlich machen, dass gläubige Menschen ihre Stimme gegen sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalt erheben müssen. Diese Gewalt geschehe häufig im Versteckten, „die Opfer bleiben oft still, aus Angst vor Stigmatisierung und weiterer Gewalt“, heißt es in der Erklärung des Weltkirchenrats: „Wir alle tragen  eine Verantwortung, uns gegen Gewalt auszusprechen und sicherzustellen, dass Frauen und Männer, Burschen und Mädchen vor Vergewaltigung und Gewalt allgemein in ihrem Zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz und in den Straßen – an allen Orten in unserer Gesellschaft – in Sicherheit sind“. Die Kampagne sei einfach, aber tiefgründig: „Tragen Sie am Donnerstag schwarze Kleidung. Stecken Sie einen Button an, um zu zeigen, dass Sie Teil einer globalen Bewegung sind, die sich gegen Haltungen und Handlungen auflehnt, die Vergewaltigung und Gewalt dulden. Zollen Sie Frauen Respekt, die gegenüber Ungerechtigkeit und Gewalt Widerstand leisten“.

Inspiriert wurde die Kampagne von Frauengruppen wie den argentinischen „Müttern der Plaza de Mayo“, die jeden Donnerstag vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires protestierten und Auskunft darüber forderten, was mit ihren Kindern in der Zeit der Militärdiktatur geschehen waren, aber auch von Gruppen schwarz gekleideter Frauen, die im Heiligen Land, in Ruanda (nach dem Völkermord) oder in Bosnien (während der jugoslawischen Nachfolgekriege) ihr Nein zur Gewalt und ihre Entschlossenheit zum Widerstand gegen alle Formen von geschlechtsbezogener Gewalt, einschließlich der Nutzung von Vergewaltigung als Kriegswaffe, zum Ausdruck brachten.

Schlagworte: | |

ISSN 2222-2464