Universität und Kirche ehren Wilhelm Dantine

Enthüllung einer Büste – Ringvorlesung „Kirche – Demokratie – Öffentlichkeit“

Wien, 24. Oktober 2001 (epd Ö) Mit einer Büste in den Arkaden der Universität Wien und einer Ringvorlesung ehrt die Hochschule Leben und Werk des Evangelischen Theologen Dr. Wilhelm Dantine. Dantine habe sich politisch aus theologischer Verantwortung engagiert, „wobei die Gesprächsoffentheit nach allen Seiten für ihn unabdingbar war“, heißt es in einer Aussendung der Evangelisch-Theologischen Fakultät Wien anlässlich des Festaktes mit der Enthüllung der Büste von Wilhelm Dantine am 29. Oktober um 16.15 Uhr im großen Festsaal und in den Arkaden der Universität Wien. Dantine (1911-1981) gilt als der „renommierteste Wissenschaftler, den die Fakultät im gerade zu Ende gegangenen Jahrhundert hatte.“ Er habe auch in der Ökumene und im internationalen Bereich große Anerkennung gefunden.

Auch die Evangelische Kirche in Österreich ehrt Wilhelm Dantine. So wurde beispielsweise die Stiftung zur Förderung evangelischer Studentinnen und Studenten in Dr. Wilhelm Dantine Gedächtnisstiftung umbenannt und ihr Wirkungskreis erweitert. Neben der traditionellen Stipendienvergabe ist nun auch die Förderung einer postgradualen Ausbildung möglich. Zusätzlich kann ein Lehrauftrag als „Dantine-Professur“ ausgeschrieben und von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien besetzt werden. Ein Schwerpunkt soll in den Arbeiten von Wilhelm Dantine liegen, dem Grenzbereich von Recht und Theologie.

Wilhelm Dantine promovierte 1951 zum Doktor der Theologie und habilitierte sich für das Fach Systematische Theologie. 1959 veröffentlichte er seine bedeutende Arbeit „Die Gerechtmachung des Gottlosen“, die ihn weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt machte. Im März 1963 wählte ihn die Lutherische Synode zum Stellvertreter des geistlichen Oberkirchenrates. Mit seiner Ernennung zum Universitätsprofessor an der Wiener Evangelisch-Theologischen Fakultät schied Wilhelm Dantine 1963 aus dem kirchlichen Dienstverhältnis aus, hat jedoch seine Kirche in vielen nationalen und internationalen kirchlichen und wissenschaftlichen Gremien weiter vertreten.

Wilhelm Dantine: Grundsätzliches über die Gehorsamspflicht des Pfarrers

Als nach einer vom zuständigen Superintendenten untersagten, vom Berndorfer Pfarrer Robert Kauer am 2. Oktober 1965 dennoch durchgeführten ökumenischen Trauung eine Auseinandersetzung um das kirchliche Weisungsrecht ausbrach, war es Wilhelm Dantine, der mit seinem bis heute aktuellen Beitrag über „Die Gehorsamspflicht des evangelischen Pfarrers und die Frage der Weisungsungebundenheit“ der Auseinandersetzung grundsätzliche Dimensionen gegeben hat. Damit hat in der Evangelischen Kirche in Österreich erstmals in der 2. Republik eine breite theologische Grundsatzdiskussion in zwei Sessionen der Synode A.B. und der Generalsynode stattgefunden. Sie hat auch dazu geführt, dass sich im 450sten Jubiläumsjahr des Thesenanschlages Luthers 63 Theologen, darunter vier Theologieprofessoren, zur AKTION 450 zusammengeschlossen haben, um das reformatorische Verständnis von Sinn und Auftrag des Predigtamtes zur Anerkennung zu bringen, ein für diese Kirche noch nie dagewesener Vorgang der Bildung einer formellen Opposition zur Kirchenleitung.

Ringvorlesung zum Gedenken an Dantine – Ehrendoktorat für Potter

Als weiterer Schwerpunkt des Gedenkens an DDr. Wilhelm Dantine beginnt am 30. Oktober eine Ringvorlesung mit dem Titel „Kirche – Demokratie – Öffentlichkeit“. Den Eröffnungsvortrag am 30. Oktober hält Dr. h.c. Philip Potter. Dem ehemaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf verleiht die Universität Wien am 30. Oktober das Ehrendoktorat der Evangelischen Theologie. Potters Name ist „verbunden mit dem Kampf gegen Rassismus jedweder Spielart, dem Einsatz für die Menschenrechte und für Gerechtigkeit“, so die Evangelisch-Theologische Fakultät (Dr. h.c. Potter: „Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt“, 10.15 Uhr im Großen Festsaal der Universität).

Der derzeitige Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Dr. Ishmael Noko, liest im Rahmen der Ringvorlesung am 20. November über „Human Rights in the Context of Globalization“, Beginn ist um 19.15 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität.

ISSN 2222-2464