„Ungeheure Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit“

„LaiInnenkirche?“ – In Erinnerung an Ulrich Trinks diskutierten Gerhild Herrgesell, Leopold Kunrath und Karl Schiefermair über das Ehrenamt in der evangelischen Kirche

Wien (epd Ö) – Am 26. Februar wäre der Historiker, Erwachsenenbildner und langjährige Leiter der Evangelischen Akademie Wien, Ulrich Trinks, 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lud die Akademie zu einer Podiumsdiskussion über die Rolle der „LaiInnen“ in der Evangelischen Kirche. Trinks hatte bekanntlich die Meinung vertreten, der „Traum von der Laienkirche“ wäre gescheitert. Unter der Moderation von Akademie-Leiterin Waltraut Kovacic diskutierten die stellvertretende Landeskuratorin Gerhild Herrgesell, der frühere Landeskurator Leopold Kunrath und Oberkirchenrat Karl Schiefermair.

Unisono distanzierten sie sich dabei vom Begriff „Laie“. Leopold Kunrath will lieber von „theologischen und nichttheologischen“ MitarbeiterInnen sprechen, denn „geistliche Mitarbeiter sind hoffentlich beide“. Gerhild Herrgesell unterschied zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen MitarbeiterInnen, Karl Schiefermair forderte, überhaupt den Begriff „Laie“ abzuschaffen. Er selber habe immer „das Glück gehabt, gemeinsam in einem Team von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen“ zu arbeiten. Eine Fehlentwicklung entstehe dort, wo allein gearbeitet werde und sich dann „Machtstrukturen verfestigen“. Die Evangelische Kirche in Österreich nehme in Europa eine „einzigartige Position“ ein, so der Oberkirchenrat, weil die Ehrenamtlichkeit bis in die Zusammensetzung der Kirchenleitung gehe: „Das leistet sich keine andere Kirche. Das dokumentiert die ungeheure Wertschätzung und das Vertrauen in diese nicht hauptamtliche Arbeit.“

Ehrenamtliches Engagement keine Privatvergnügen

Gerhild Herrgesell erzählte aus ihrer Arbeit in der Grazer Heilandskirche, der größten evangelischen Gemeinde, die mit 27 Angestellten in ehrenamtlicher Leitung „exzellent“ funktioniere. Dies sei jedoch nur möglich, weil „Menschen bereit sind, ihre Zeit und ihr Know-how zur Verfügung zu stellen“. Problematisch sei jedoch, wenn in der Arbeitswelt Dienstgeber ehrenamtliches Engagement „als Privatvergnügen abtun“. Durch die oft enorme zeitliche Beanspruchung ehrenamtlicher MitarbeiterInnen in Leitungsgremien stelle sich die Frage: „Wie kann man hier als Ehrenamtliche/r gleichberechtigt mitarbeiten, wenn man nicht gerade in Pension, arbeitslos oder selbständig ist?“

Das in der evangelischen Kirche geltende „Priestertum aller Gläubigen“ bedeute nicht „Lehramt aller Gläubigen“, sagte Karl Schiefermair. In diesem Bereich sei eine „solide Ausbildung“ unverzichtbar. Der Oberkirchenrat erinnerte daran, dass Ehrenamtliche in verschiedenen Bereichen „profimäßig“ arbeiten müssten, etwa in der Notfallseelsorge. Die Kirche hätte im Gegenzug für Ausbildung und Schutz der Ehrenamtlichen zu sorgen. Heute gehe es nicht mehr um das Konzept der Laienkirche aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, sondern darum, „wie es zu einer gediegenen und bestätigten Teilnahme aller Menschen kommt, die das wollen“. Beteiligung erfolge nicht mehr wie früher aus Pflichtbewusstsein, sondern aus Begeisterung.

Leopold Kunrath ortet immer wieder eine „Selbstbeschäftigung“ der Kirche, Gerhild Herrgesell wünscht sich ein „selbstbewusstes Auftreten nach außen statt zu jammern“, und Karl Schiefermair erinnerte daran, dass außerhalb der Kirche von den Ländern das ehrenamtliche Element stärker wahrgenommen und gefördert werde. Was die evangelische Kirche betreffe, sei etwa das demokratische Element, dass Evangelische wählen, bei den letzten Gemeindevertretungswahlen „gut rübergekommen“.

ISSN 2222-2464