„… und das Wort ist Bild geworden“

ERPI und Evangelische Akademie Wien veranstalteten während der „Viennale“ Symposion über biblische Motive im Film

Wien(epd Ö) Biblische Motive im Film standen im Mittelpunkt eines Symposions, das das Evangelische Religionspädagogische Institut und die Evangelische Akademie Wien am Sonntag im Cinemagic eröffnet hatten. Zu sehen waren der älteste erhaltene Jesus-Film, der 13-minütige Streifen „La Passion“ der Gebrüder Lumiere aus dem Jahr 1897, „Der Galiläer“ aus 1927 und „Mensch Jesus“ von 1999.

„Die biblischen Botschaften verbunden mit dem Medium Film werden auf diesem Symposion untersucht. Ich hoffe, die Studierenden und die ProfessorInnen werden davon stark profitieren“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Eröffnungsansprache.

Bünker: Leben Jesu der am häufigsten verfilmte Stoff der Kinogeschichte

„Die Anfänge der Kinematographie sind gekennzeichnet von der Freude am Sehen und an der Schaulust“, erklärte Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker in seinem Referat. Bünker, der auch durch das Programm führte und die Filme kommentierte: „Das Leben Jesu Christi ist der in der Kinogeschichte am häufigsten verfilmte Stoff.“ Das Erzählkino sei aus dem Christusstoff geboren „und ohne diesen nicht denkbar“, betonte der Oberkirchenrat. Immer sei aber das Problem zu bemerken, wie man mit der Figur Jesu Christi umgehen solle: „Kann man Jesus Christus im Film zeigen, 24 Bilder in der Sekunde?“ So werde bei dem Monumentalfilm Ben Hur nie Jesus gezeigt. „Das Bild ist das Problem jeder Religion.“ Lumieres „La Passion“ sei die authentische Abfilmung der Passionsgeschichte „mit dem vermutlich ältesten Trick der Filmgeschichte: Bei der Darstellung des letzten Abendmahls erscheint plötzlich Jesus am Tisch, eine Wundergeschichte, dem die biblische Grundlage fehlt.“

Ist der Jesus-Film lernfähig?

„In ‚Der Galiläer’ aus 1921 finden sich stark antisemitische Züge“, betonte Bünker. So sei mit dem historischen Befund falsch umgegangen worden, indem den Juden die gesamte Schuld am Kreuzestod Jesu zugeschrieben wurde. Tricktechnisch werde immer, wenn der Hohe Rat der Juden oder der Hohepriester gezeigt werde, der Film mit fahlem Gelb unterlegt, „abgesehen von der stark negativen Darstellung dieser Figuren.“ In New York habe es damals starke Proteste gegen den Film gegeben, in Deutschland sei er dagegen von der Filmkritik sehr gelobt worden. Angesichts des bevorstehenden Films „The Passion“ von Mel Gibson, der ebenfalls stark antisemitisch geprägt und starker Kritik ausgesetzt sei, müsse man fragen, „ob der Jesus-Film etwas lernen kann.“

„Wer ist Christus für uns heute“ zeige vielleicht einen Weg für Christusfilme heute, so Bünker, „denn dieser Film arbeitet mit Humor und Satire, wenn es um die Allmacht Gottes, den Teufel und vieles mehr geht.“ Musikalisch begleitet wurden die Stummfilme von Mag. Johannes Diem von der Johann-Sebastian-Bach Musikschule in Wien.

ISSN 2222-2464