Uljas-Lutz: „Mutig für die richtige Sache eintreten“

In der Heilsgeschichte Gottes sei es manchmal notwendig, nicht zu folgen, Gesetze nicht blind einzuhalten, nicht immer ein treuer Staatsbürger zu sein, sagte die Rektorin des Predigerseminars Johanna Uljas-Lutz bei einem ökumenischen Aschermittwochs-Gottesdienst in Wien. (epdÖ/S.Janits)
In der Heilsgeschichte Gottes sei es manchmal notwendig, nicht zu folgen, Gesetze nicht blind einzuhalten, nicht immer ein treuer Staatsbürger zu sein, sagte die Rektorin des Predigerseminars Johanna Uljas-Lutz bei einem ökumenischen Aschermittwochs-Gottesdienst in Wien. (epdÖ/S.Janits)

Aschermittwochs-Gottesdienst im Zeichen von „Recht brechen“

Wien (epdÖ) – „Was werden unsere Urenkel und Urenkelinnen über unsere Zeit denken?“, fragte die evangelische Pfarrerin und neue Rektorin des Predigerseminars Johanna Uljas-Lutz beim Ökumenischen Aschermittwochs-Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche, der unter dem Titel „Recht brechen“ gefeiert wurde.

In ihrer Predigt ging Uljas-Lutz auf die Geschichte der beiden Hebammen Schifra und Pua ein, die sich weigerten, dem Befehl des Pharaos zu folgen. Dieser verlangte, dass sie die neugeborenen Söhne der hebräischen Frauen nach der Entbindung töten sollen. Die beiden Hebammen weigerten sich aber, dem Befehl zu gehorchen, und behaupteten, die Hebräerinnen würden ihre Kinder ohne ihre Hilfe gebären. „Für die richtige Sache muss man mutig und listig eintreten“, betonte Uljas-Lutz. Während der Name des Pharaos nicht erwähnt und damit heute vergessen ist, sind die Namen der Hebammen bis heute bekannt – dass ihre Geschichte auch heute noch erzählt wird, sei ihrem Ungehorsam geschuldet. In der Heilsgeschichte Gottes sei es manchmal notwendig, nicht zu folgen, Gesetze nicht blind einzuhalten, nicht immer ein treuer Staatsbürger zu sein, sagte die Rektorin des Predigerseminars. „Was würde passieren, wenn wir allen AsylwerberInnen das Bleiberecht schenkten? Diese Menschen wollen einfach nur leben!“ Vielleicht würden Zusammenhänge in einigen Jahren und Jahrzehnten normal sein, die wir heute noch nicht sehen, so Uljas-Lutz. „Wie sehr werden unsere Urenkel und Urenkelinnen den Kopf über unser Verhalten schütteln? Sie werden uns vielleicht fragen: Wie konntest du Angst haben vor einer multikulturellen Gesellschaft? Warum habt ihr nicht schon damals die Lebensmittel miteinander geteilt, wo doch für alle genug da ist?“ Die Pfarrerin lud dazu ein, die Passionszeit zu nutzen, um nach Antworten auf diese Fragen zu suchen.

Der römisch-katholische Pfarrer Gernot Wisser, Rektor der Ruprechtskirche, warnte in seiner Predigt vor der Tendenz, Recht umzuschreiben und zu beugen, um einzelne Personen und Gruppen zu bevorzugen. Bereits der Prophet Jesaja habe die Korruption bei der Rechtspflege kritisiert. Aber auch uns sei Korruption nicht fremd, meinte Wisser. Angesichts korrupter Politiker solle nicht vergessen werden, den Umgang mit dem Gesetz kritisch in den Blick zu nehmen. „Wir haben gelernt, Korruption so zu machen, dass es keiner merkt. Aber der Sturm des Herzens, des Gewissens, bleibt uns, mit dem müssen wir leben.“

Im „Gebet über der Asche“ wurde der zahlreichen Opfer von Krieg und Vernichtung, darunter auch die Opfer der Shoa, gedacht. Der Gottesdienst wurde vom Chor der Gemeinde St. Ruprecht unter der Leitung von Otto Friedrich musikalisch gestaltet, der auch einen Großteil der Liedertexte verfasst hatte.

ISSN 2222-2464