Über 300 NGOs fordern Evakuierung der griechischen Flüchtlingslager

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Coronavirus auch in den Lagern um sich greife, warnen die NGOs. Foto: pxfuel
Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Coronavirus auch in den Lagern um sich greife, warnen die NGOs. Foto: pxfuel

Mehrere Kirchenvertreter unterstützen Appell

Wien (epdÖ) – Der Appell zur sofortigen Evakuierung der Flüchtlingslager auf den Inseln der griechischen Ägäis wird mittlerweile von mehr als 300 NGOs in Europa unterstützt. Initiiert hatten den Appell, der als offener Brief gestaltet wurde, die Asylkoordination Österreich, Diakonie, Fairness Asyl und die Volkshilfe.

Froh über die breite Unterstützung ist Lukas Gahleitner-Gertz, Sprecher der Asylkoordination Österreich, die den Appell koordiniert. „Das sind zum Teil sehr große internationale Organisationen, wie die Caritas Europa, SOLIDAR, Pro Asyl, die Schweizerische Flüchtlingshilfe oder PICUM.“ Aber auch viele italienische NGOs hätten sich trotz der schlimmen Lage im eigenen Land durch die Coronavirus-Pandemie solidarisch erklärt.

Es sei erfreulich, dass zudem hohe kirchliche Repräsentanten wie die der römisch-katholische Bischof Hermann Glettler (Innsbruck), der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka, der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der evangelisch-methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs hinter dem Appell stehen, ebenso wie die lutherische, reformierte und methodistische Kirche oder mehrere kirchliche Organisationen. Dies zeige, „dass es auch in Österreich ein starkes Bewusstsein zu Flüchtlingsrechten und humanitären Verpflichtungen gibt, mehr, als die Regierungspolitik wahrhaben will“, so Gahleitner-Gertz.

Der Appell sei bewusst in Österreich lanciert worden, „um ein Gegengewicht zur hartnäckigen Weigerung der ÖVP, evakuierte Flüchtlinge in Österreich aufzunehmen, zu setzen“. Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte kürzlich von einer „Verhärtung“ seiner Position in dieser Frage gesprochen.

In den vergangenen Tagen häuften sich Meldungen über Essensrationierung und Einstellung der Trinkwasserversorgung in Moria, dem größten Lager auf der drittgrößten griechischen Insel Lesbos. Es sei eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus in den Flüchtlingslagern ausbreche, „in diesem Fall droht eine humanitäre Katastrophe“, warnen die Initiatoren des Appells, die auf Unterstützung durch das Europäische Parlament hoffen.

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ISSN 2222-2464