„Treffpunkt Pfarrhaus Kultur – … und muss nicht beten“

Schumann: „Mutige Veranstaltung der Kirche“ – Sturm: Der Kunst einen Raum geben

Wien, 18. Mai 2005 (epd Ö) – Was ist los, wenn über 60 Künstlerinnen und Künstler an einem Tag in einem Jugendstiltheater zusammenkommen um einander und den Besucherinnen und Besuchern einen Tag lang ihre Kunst zu zeigen? Dann ist „Pfingsten der Künstler“, so geschehen am Pfingstmontag im Jugendstiltheater des Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe.

Geboten haben die Künstlerinnen und Künstler unter dem Thema „Treffpunkt Pfarrhaus Kultur – … und muss nicht beten“ Gemälde, Plastiken, Schmuck und sehr viel Musik – sodass es für einen ganzen Tag reichte. „Mutig“ sei es, so Pfarrer Dr. Stefan Schumann, Leiter der Künstler-, Schausteller- und Zirkusseelsorge, „seitens unserer Kirche eine solche Ausstellung mit dem Thema Treffpunkt Pfarrhaus Kultur zu veranstalten“. Schumann, der durch die Ausstellung und den Tag führte: „Denn es stellt sich die Frage, ob es reichen kann, in einem Pfarrhaus mehr oder weniger lang gelebt zu haben, um ein Thema für eine Ausstellung zu bieten.“ Vielleicht werde die Ausstellung zu einer „Nabelschau ganz anderer Art mit sehr persönlichen Einsichten“.

Kunst in Pfarrhäusern

„Kunst und Kirche haben mit Gottes Geist zu tun, mit dem Wunder, dass vorher nichts war und nichts sein musste“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Begrüßung. Es bleibe „ein Wunder, dass der Geist Gottes diese Welt nicht einfach lässt, sondern verwandelt“. Der Sinn von „Treffpunkt Pfarrhaus Kultur – … und muss nicht beten“ sei auch, der Kunst Raum zu geben: „Meist haben die Kirchen kein Geld, um Kunst zu kaufen. Daher haben wir einen Raum und Zeit zur Verfügung gestellt, um der Kunst Öffentlichkeit zu geben. Und wir wollen zeigen, wie viel Kunst es in Pfarrhäusern gibt.“ Diese Kunst sei „natürlich“ von dem Ort des Pfarrhauses geprägt, denn „in Pfarrhäusern gehen Arm und Reich, Fröhlich und Traurig ein und aus“. Dieser Eindruck bleibe in den Menschen, „die das erleben und dort leben und das aushalten“.

Für die Wiener Webkünstlerin Gabriele Schmidtkunz „bedeutet weben meditieren“. Während des Arbeitens „webe ich noch zusätzlich meine Gedanken, Gefühle, Stimmungen, mein ganzes Sein in die Wandbilder“. Schmidtkunz produziert mehrere quadratmetergroße Wandteppiche und Kirchenschmuck und findet dabei „neue Symbole und Farbkombinationen“.

Besonders beeindruckt hat Schumann „die Lust, einander gegenseitig zuzuschauen, zuzuhören und wahrzunehmen.“ Auch sei es faszinierend, die Mischung von Erstlingen die ausstellen und international anerkannten Künstlern zu sehen, wie etwa Caren Dinges, die schon für Mercedes oder den ORF gearbeitet hat.“ „Großartig und beeindruckend“ findet Schumann auch, dass „die Künstler hier mit großem Aufwand ihre Kunst inszeniert haben, sei es die bildende Kunst oder die MusikerInnen oder TänzerInnen“. „Treffpunkt Pfarrhaus Kultur – … und muss nicht beten“ bot auch einen „Künstlerdialog“mit Superintendent Mag. Manfred Sauer und Prof. Kurt Lüthi. „Weinkunst“ präsentierte am Abend Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker.

Die Veranstaltung mündete in den Eröffungsgottesdienst der Synoden, den MusikerInnen aus evangelischen Pfarrhäusern mitgestalteten. Der Obmann von „pro ecclesia – Für diese Kirche“ und Leiter der zuständigen Abteilung im Wiener Krankenanstaltenverbund, Dr. Wolfgang Gerold, verwies in seiner Begrüßung auf den besonderen Ort, der in einzigartiger Weise die Bereiche Geschichte, medizinische Betreuung, Spiritualität und Kultur verbinde. Vor dem Jugendstiltheater erinnert heute an Mahnmahl an die hier in der NS-Zeit ermordeten Kinder. Pfingsten bedeute, „von einem anderen Geist“ zu hören und wahrzunehmen, wo Türen offen sind für Menschen in Not, sagte Bischof Sturm in seiner Predigt.

Ingesamt haben rund 400 Personen an „Treffpunkt Pfarrhaus Kultur – … und muss nicht beten“ teilgenommen. Veranstaltet wurde der Tag im Rahmen des „Jahres der Spiritualität“. Überwältigt von der großen Zahl an Künstlerinnen und Künstlern, die ihr Schaffen hier präsentierten, zeigte sich die für die Organisation des Tages Hauptverantwortliche, Pfarrerin Dr. Ingrid Vogel. Auch die hohe Zahl der BesucherInnen habe die Erwartungen des Vorbereitungsteams weit übertroffen, freute sich die Beauftragte für Spiritualität.

ISSN 2222-2464