Transpirieren und Transzendieren

Evangelische Woche auf der Suche nach dem Verhältnis von Spiritualität und Wellness

Wien (epd Ö) – „Es gibt ein Verhältnis zwischen Religion und Wellness“, sagte der Philosoph Dr. Christoph Quarch, Studienleiter des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in seinem Vortrag „… denn auch hier sind Götter“ am Dienstag, 8. März. Quarch, der im Rahmen der Wiener Evangelischen Woche Gast war bei dem Abend „Welcher Geist wohnt im gesunden Körper? Wellness und Spiritualität“, betonte die starken Glücks- und Heilserwartungen, die viele Menschen an Wellness knüpfen: „Es heißt immer, Wellness hat keinen Transzendenzbezug, das ist aber nur einer oberflächlichen Wellnesskultur angemessen.“ Wellness verspreche auch „innehalten, zu sich kommen und mit der Dimension der Tiefe in Kontakt kommen.“ Wenn es gelinge, dies zu kultivieren, könne der Mensch eine Öffnung für die Tiefe finden. Die Gefahr, im Diesseitigen zu bleiben, sei groß, „wenn der Körper zum Quasireligiösen erhoben wird“. So werde in der Sauna den nach Erlösung Schwitzenden und Japsenden vom knieenden Saunameister mit dem Handtuch Erlösung zugewedelt“. In diesem Wohlgefühl dürfe man nicht hängen bleiben, sondern müsse da hindurchgehen und dies transzendieren: „Es gibt hier eine Dimension, die über das Körperliche hinausragt. Viele Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben, werden dies nicht mit Gott in Verbindung bringen. Dies ist Aufgabe der Theologie.“ Wellness als ambivalentes Phänomen ermögliche eine „diesseitige Erfahrung des Jenseits“. Mit der Kultivierung dieses Phänomens durchbreche man diese oberflächliche Struktur.

Laufen, meditieren und beten

In der anschließenden Podiumsdiskussion betonte Pfarrer Mag. Jürgen Öllinger, dass für ihn Laufen „auch Meditiation“ sei: „Beim Laufen kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und mir zum Beispiel auch über den nächsten Predigttext Gedanken machen.“ So könne er beim Laufen auch hervorragend beten. „Wir wollen den Kirchenraum erweitern und Jugendlichen auch in der Natur eine Gotteserfahrung ermöglichen“, sagte Hans Nosko, stellvertretender Kurator der Pfarrgemeinde Kitzbühel. Nosko hat mit KonfirmandInnen Kletter- und Wandertouren unternommen: „Da geht es auch um Vertrauen untereinander.“ Auch die Gemeinschaft der Jugendlichen untereinander werde am Berg gefestigt. Herwig Nosko, Psychologe und Extrembergsteiger: „Gott ist bei meinen Touren immer dabei, und es hat schon etliche Situationen gegeben, wo ich gesagt habe: Gott sei Dank ist nichts passiert.“ Beim Klettern habe man viel Zeit über sich und über Gott nachzudenken. „Zu uns kommen junge und alte Menschen, Männer und Frauen. Sie alle wissen, dass der oberflächliche Bereich allein nicht genügt“, betonte Äbtissin Sr. Mirjam Dinklbach vom Kloster Landskron. Der Kurbetrieb in ihrem Haus umfasse einen religiösen Aspekt jenseits von Konfessionen und Religionen: „Wir zwingen niemanden zu dieser religiösen Dimension, aber mir kann keiner erzählen, dass die Menschen diese Fragen nicht in sich tragen.“ Moderiert wurde die Veranstaltung von Mag. Monika Fischer von Radio Stephansdom.

ISSN 2222-2464