Torberg-Medaille für Altsuperintendent Nausner

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien überreicht dem ehemaligen Superintendenten der evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich, Helmut Nausner, die "Marietta und Friedrich Torberg-Medaille" für sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog (Foto: ANWORA/ Andreas W. Rausch)
Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien überreicht dem ehemaligen Superintendenten der evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich, Helmut Nausner, die "Marietta und Friedrich Torberg-Medaille" für sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog (Foto: ANWORA/ Andreas W. Rausch)

Auszeichnung der IKG Wien für christlich-jüdisches Engagement

Wien (epdÖ) – „Helmut Nausner lebt, was er glaubt und glaubt, was er lebt“, sagte Martin Jäggle, Professor für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, in seiner Laudatio für Helmut Nausner. Dem ehemaligen Superintendenten der evangelisch-methodistischen Kirche wurde am 29. März die „Marietta und Friedrich Torberg-Medaille“ für sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog und seine langjährige Tätigkeit im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG Wien) verliehen.
Nausner sei ein Mann des Dialogs, so Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses. Schon früh habe sich der Altsuperintendent für die Ökumene eingesetzt, seine ökumenische Grundausrichtung sei auch zum Tragen gekommen, als die Verbindungen zwischen dem Ökumenischen Rat der Kirchen und dem Koordinierungsausschuss 1997 intensiviert wurden. Seit 1998 ist Nausner Vorstandsmitglied des Koordinierungsausschusses, von 2003 bis 2011 war er dessen Präsident. „Es geht ihm um eine Beziehung zum Judentum, ohne es zu vereinnahmen“, bringt Jäggle Nausners Engagement auf den Punkt. Dabei habe er in seinen Wortmeldungen und Predigten immer auch die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes in den Mittelpunkt gestellt. „Für Nausner gibt es keinen Schlussstrich zu ziehen.“ Als Methodist gehöre er zwar einer Kirche an, die sich nicht in den Nationalsozialismus verstrickt habe. „Dennoch hat sich diese Kirche und Nausner nie angemaßt, über andere zu urteilen“, lobte der Präsident des Koordinierungsausschusses seinen Vorgänger bei der Feierstunde im Gemeindesaal der IKG Wien.
„Die Israelitische Kultusgemeinde hat sich immer zum interreligiösen Gespräch bekannt“, sagte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in seiner Ansprache. Er danke Nausner für sein Engagement und lobte das Verhältnis zu den evangelischen Kirchen sowie zur römisch-katholischen Kirche in Österreich. „Ich bin tief gerührt und habe mich sehr gefreut, als ich davon erfahren habe, dass mir die Marietta und Friedrich Torberg Medaille überreicht werden soll“, bedankte sich Helmut Nausner. Die Arbeit sei noch nicht vollendet, so der Pastor. „Ich hoffe, dass Gott mir die Kraft gibt, noch viele Jahre weiter arbeiten zu können.“

Im Anschluss an die Ehrung Nausners veranstaltete der Koordinierungsausschuss noch eine Podiumsdiskussion über die Jesus-Bücher von Papst Benedikt XVI. Der Wiener katholische Dogmatiker Jan-Heiner Tück, der jüdische Journalist Günther B. Ginzel aus Köln und die in Budapest lehrende lutherische Bibelwissenschaftlerin Jutta Hausmann diskutierten das Verhältnis des Papstes und der christlichen Kirchen zum Judentum

ISSN 2222-2464