Toleranzgespräche in Fresach: Programm vorgestellt

Alexander Loisel, Club Carinthia, Bischof Michael Bünker, Autorin Philo Ikonya, Hannes Swoboda, Präsident des Kuratorium DENK.RAUM.FRESACH, und Helmut A. Niederle, Präsident des PEN-Club Austria, präsentierten in Wien das Programm der "Europäischen Toleranzgespräche 2015" im Kärntner Bergdorf Fresach. (v.l.). Foto: DENK.RAUM.FRESACH
Alexander Loisel, Club Carinthia, Bischof Michael Bünker, Autorin Philo Ikonya, Hannes Swoboda, Präsident des Kuratorium DENK.RAUM.FRESACH, und Helmut A. Niederle, Präsident des PEN-Club Austria, präsentierten in Wien das Programm der "Europäischen Toleranzgespräche 2015" im Kärntner Bergdorf Fresach. (v.l.). Foto: DENK.RAUM.FRESACH

Bünker: Intoleranz mit Mut und Entschiedenheit entgegentreten

Wien (epdÖ) – Der „DENK.RAUM.FRESACH“ leistet einen wichtigen Beitrag, um der Intoleranz entgegenzutreten. Denn Toleranz brauche Mut, Entschlossenheit und das öffentliche Eintreten für jene, die am Rand stehen. Das betonte Bischof Michael Bünker bei der Vorstellung des Programms der ersten europäischen Toleranzgespräche 2015 am Mittwoch, 18. März, in Wien. Mit dem neugegründeten Forum möchte sich der Kärntner Bergort Fresach in Zukunft als Ort für den europäischen Dialog über Toleranz, Integration und Menschenrechte etablieren. Die ersten europäischen Toleranzgespräche werden von 21. bis 23. Mai unter dem Motto „Wie weit geht Toleranz? Aufgaben für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft“ mit anerkannten internationalen Wissenschaftlern, Autoren und Philosophen stattfinden. Auch Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, und Bundespräsident Heinz Fischer werden nach Fresach kommen, hieß es bei der Präsentation.

Bischof Bünker unterstrich die Bedeutung Fresachs für die Evangelische Kirche als „Toleranzgemeinde“. Damit werden jene Gemeinden bezeichnet, die sich in Folge des Toleranzpatents von Joseph II. gebildet hatten. In Fresach kämpfte die Bevölkerung über Jahrhunderte um Religionsfreiheit und Selbstbestimmung, ein Bethaus aus dem Jahr 1784 und das Evangelische Museum geben noch heute davon Zeugnis.

„Toleranz als Haltung der Offenheit, des Interesses aneinander und des Bemühens um Verständigung ist im Europa von heute notwendiger denn je“, erklärte Bünker. Die Zunahme von Islamfeindlichkeit, Rassismus und vor allem Antisemitismus zeigten auf bedrohliche Weise, dass die Intoleranz in vielen Ländern auch heute weit verbreitet sei. „Wir müssen eine Kultur des Dialoges und der Verständigung, des Respekts und der Anerkennung fördern, dafür kommt das Projekt in Fresach genau zur rechten Zeit“, sagte der Bischof. Letztlich sei eine Gesellschaft, die Pluralität positiv auffasse, auch wirtschaftlich erfolgreicher.

Auch der ehemalige Europaparlamentarier und neue Präsident des „Denk.Raum.Fresach“, Hannes Swoboda, wies auf die besondere Bedeutung des Orts hin. „Fresach ist aufgrund seiner Geographie und Geschichte ein hervorragender Boden für die Auseinandersetzung mit der Vielfältigkeit unserer europäischen Gesellschaft“. Toleranz sei untrennbar mit dem Respekt dem Anderen gegenüber verbunden und notwendig, um die vorhandene Vielfältigkeit zu leben. Gewalt und Missbrauch von Religion dürften nicht der Religion angelastet werden, warnte der Europapolitiker.

Helmut Niederle, Präsident des PEN-Club Austria (Poets, Essayists and Writers Association), hob die Wichtigkeit der Toleranz für die künstlerische und literarische Arbeit hervor. Der Dialog sei die Voraussetzung für jegliche Art des Gedankenaustauschs. Dabei seien allerdings immer die Grenzen des Gegenübers zu respektieren. „Die Grenze zwischen Herabwürdigung und Ausdruck von individuellem Gestaltungsbedürfnis ist hauchdünn“, sagte Niederle. Bei der Gestaltung des Programms wollen sich die Toleranzgespräche deutlich von herkömmlichen Symposien unterscheiden. Statt langer Referate seien vor allem Gesprächsrunden nach dem Vorbild „Im Zentrum“ geplant. Beim „Toleranzfrühstück“ können dann Teilnehmer direkt mit den Vortragenden in Kontakt treten.

Für Alexander Loisel vom Club Carinthia soll mit dem „DENK.RAUM.FRESACH“ in erster Linie ein Kommunikationsforum entstehen, das Wege aufzeigt, damit „humanistische Werte im laufenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungsprozess nicht auf der Strecke bleiben“. Bisher haben rund zwanzig internationale Referenten ihr Kommen zugesagt, darunter etwa die Journalisten Ronald Barazon, Martin Traxl und Sonja Sagmeister, die Autoren Alois Brandstetter, Fabian Hafner, Philo Ikonya und Pravu Mazumdar sowie die Romanistin Zohra Bouchentouf-Siagh, die Genderforscherin Claudia Brunner und die Nahostexpertin Karin Kneissl.

In Zukunft wollen sich die Toleranzgespräche Fresach als Kommunikationsforum etablieren, „das Signale setzt“, so Loisel. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus Mitgliedschaften und Sponsoring. Eintrittskarten kosten je nach Dauer der Anwesenheit zwischen 80 und 200 Euro. Anmeldung unter http://www.fresach.org.

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ISSN 2222-2464