Tirol: Montanisten tagen zu Bergbau und Reformation

Der Tiroler Bergbauort Schwaz wurde im Lauf des 16. Jahrhunderts zur zweitgrößten Stadt Österreichs. Foto: Int. montanhistorischer Kongress
Der Tiroler Bergbauort Schwaz wurde im Lauf des 16. Jahrhunderts zur zweitgrößten Stadt Österreichs. Foto: Int. montanhistorischer Kongress

Dantine: „Bergknappen haben Ideen der Reformation verbreitet“

Schwaz/Sterzing/Hall (epdÖ) – Ein internationaler montanhistorischer Kongress in den drei Tiroler Orten Schwaz, Sterzing und Hall widmet sich von 26. bis 29. September dem Verhältnis von Bergbau und Reformation. Eröffnet wird der Kongress in Schwaz, das im Reformationsjahr 2017 zur 100. Reformationsstadt im „Cities of Reformation“-Projekt der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ernannt wurde. „In vielen Gegenden, so auch in Schwaz waren es Bergknappen, die die Ideen der Reformation verbreitet haben“, sagt der Superintendent von Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, im Gespräch. „Dass Martin Luther selbst über seinen Vater mit der Welt des Bergbaues verbunden war, war den Knappen sicherlich auch bekannt und stärkte die Bindung gerade zur lutherischen Reformation. Der Kongress wird die sehr unterschiedlichen Facetten dieser Beziehung, aber auch des Täufertums in den Bergbauzentren beleuchten“, ist Dantine überzeugt, der selbst am Eröffnungstag in Schwaz mit dem römisch-katholischen Diözesanbischof Hermann Glettler, der evangelischen Pfarrerin Andrea Petritsch (Jenbach) und dem katholischen Pfarrer Martin Müller (Schwaz) ins Gespräch kommt.

Die Stadt Schwaz im Inntal verzeichnete während der Blütezeit des Silberabbaus im 15. und 16. Jahrhunderts einen starken Bevölkerungszuwachs und wurde nach Wien zur zweitgrößten Metropole im Habsburgerreich. Die meisten der zugewanderten Bergmänner kamen aus Gebieten, in denen die Reformation auf großen Widerhall gestoßen war.  Weitere Vortragsthemen sind die seelsorgerliche Situation in Schwaz im 16. Jahrhundert (Matthias Claus Seidel, Vomp), die reformatorischen Netzwerke der Bergleute südlich des Brenners (Armin Toggler, Verdings) oder die Wohnsituation der Knappen in Kitzbühel (Anita Feichter-Haid, Kitzbühel). Alle Informationen unter http://www.bergbaukongress.eu/

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ISSN 2222-2464