Tirol: Evangelische Kirche setzt diakonische Schwerpunkte

"Wir wollen eine Kirche sein, die den Menschen auch jenseits der konfessionellen Grenzen dient", sagte der Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol Olivier Dantine bei einer Pressekonferenz zum Auftakt des Diakonie-Jahrs der Evangelischen Kirchen in Österreich am 11. März in Innsbruck. Rechts im Bild Oberkirchenrat Karl Schiefermair: "Diakonie gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche." (Foto: Defner)
"Wir wollen eine Kirche sein, die den Menschen auch jenseits der konfessionellen Grenzen dient", sagte der Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol Olivier Dantine bei einer Pressekonferenz zum Auftakt des Diakonie-Jahrs der Evangelischen Kirchen in Österreich am 11. März in Innsbruck. Rechts im Bild Oberkirchenrat Karl Schiefermair: "Diakonie gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche." (Foto: Defner)

Dantine: „Kirche ergreift Partei für Menschen am Rand der Gesellschaft“

Innsbruck (epdÖ) – „Wir wollen eine Kirche sein, die den Menschen auch jenseits der konfessionellen Grenzen dient“, sagte der evangelisch-lutherische Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol Olivier Dantine bei einer Pressekonferenz zum Auftakt des Diakonie-Jahrs der Evangelischen Kirchen in Österreich am 11. März in Innsbruck.

Den Anfang diakonischen Engagements würden immer Menschen machen, die die Nöte der Zeit sahen beziehungsweise sehen und zu handeln beginnen, erklärte Dantine. Dies gelte für etablierte Institutionen genauso wie für neue Initiativen, etwa die Neugründung der Johann Sebastian Bach Musikschule, die als Ziel den Vollausbau eines musiktherapeutischen Zweigs hat, in dem Kinder mit Beeinträchtigungen voll in Instrumental- und Vokalgruppen integriert werden können. Aber auch im Bereich der Flüchtlingsarbeit sei man in der Diözese sehr aktiv, so Dantine. „Die Motivation der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ist der Glaube an einen Gott, der Partei ergreift für die Menschen am Rand der Gesellschaft. Und wo glaubende Menschen zusammenkommen, entsteht auch der Raum für Ideen, diese Zuwendung zu den Menschen zu organisieren.“ Das „Jahr der Diakonie“, das unter dem Motto „zugewandt – solidarisch – vernetzt“ steht, solle dazu beitragen, die evangelischen Pfarrgemeinden zu vernetzen und viele Ideen zu bündeln. „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, zitierte Dantine den deutschen Theologen und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer.

„Diakonie gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche“, sagte der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair, der in der gesamtösterreichischen Kirchenleitung auch für die Diakonie zuständig ist. „Die Schere aber zwischen Arm und Reich geht auseinander, die Zahl der Notleidenden steigt dramatisch. Offensichtlich geht der Zusammenhalt in der Gesellschaft mehr und mehr verloren“, so Schiefermair. Evangelische Pfarrgemeinden würden als Anlaufstellen für Hilfesuchende ihren Beitrag dazu leisten, dass die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdriftet und dass es zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppierungen „zu einem Ausgleich komme“, wie es auch im Leitgedanken des Schwerpunktjahres der Diakonie heißt. „Jesus hat das selbst auf den Punkt gebracht: Was ihr den Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäusevangelium, Kapitel 25). Aus diesem Geist leisten christliche Gemeinden einen Dienst an der Gesellschaft. Sie verlangen nichts dafür.“

Das Evangelische Netzwerk für Flüchtlinge Innsbruck (ENFI) stellte Jutta Binder vor. Es ist ein Projekt der beiden evangelischen Pfarrgemeinden in Innsbruck sowie der beiden Einrichtungen des Diakonie Flüchtlingsdienstes „Ankyra“ und der unabhängigen Rechtsberatung. „Seit seiner Gründung im Juni 2010 konnte ENFI in über 70 Fällen Flüchtlingen helfen. Die meisten Anfragen beziehen sich derzeit auf finanzielle Unterstützung für notwendige Deutschkurse oder auch Fahrtkosten zu diesen Kursen. Es ist aber auch eine Familienzusammenführung ermöglicht worden“, berichtete Binder. „Die Hilfsbereitschaft und die vielfältigen Gaben vieler Mitglieder der beiden Pfarrgemeinden ermöglichen es diesen Einrichtungen, ihre Klientinnen und Klienten noch nachhaltiger und umfassender zu unterstützen.“

„Flüchtlinge sind auf Grund ihrer Fluchtgeschichte und auf Grund traumatischer Erfahrungen wie Krieg, Verfolgung und Folter in den Herkunftsländern hohen psychischen Belastungen ausgesetzt“, erklärte Claudia Baldeo vom Zentrum für interkulturelle Psychotherapie „Ankyra“ des Diakonie Flüchtlingsdienstes. Die oft unsichere aktuelle Lebenssituation in Österreich, das Warten auf den Ausgang des Asylverfahrens, das Leben in Flüchtlingsheimen und die erzwungene Untätigkeit würden die positive Bewältigung von traumatischen Erfahrungen und von schmerzvollen Verlusten durch die Flucht erschweren. Um Flüchtlinge bei der Bearbeitung traumatischer Erfahrungen und bei der Bewältigung ihrer aktuellen Lebenssituation zu unterstützen, bietet „Ankyra“ Flüchtlingen Psychotherapie im Einzel- und Gruppensetting sowie flankierend medizinische und psychiatrische Beratung an.

ISSN 2222-2464