„Time to Talk“ – Kinder fordern Mitsprache

10 Millionen Kinder weltweit leben laut Weltarbeitsorganisation ILO in "sklavenähnlichen Verhältnissen". Foto: Kindernothilfe
10 Millionen Kinder weltweit leben laut Weltarbeitsorganisation ILO in "sklavenähnlichen Verhältnissen". Foto: Kindernothilfe

Kindernothilfe präsentiert Kampagne auf Weltkinderarbeitskonferenz

Buenos Aires (epdÖ) – Ein stärkeres Mitspracherecht in politischen Entscheidungen fordern Kinder aus 36 Ländern in der neuen Kampagne „It’s Time to Talk“ der Kinderrechtsorganisationen „Kindernothilfe“ und „Terre des Hommes“. Die Kampagne, die sich mit der Sicht der Kinder auf Einhaltung ihrer Rechte und Kinderarbeit beschäftigt, wurde am Mittwoch, dem 15. November, im argentinischen Buenos Aires anlässlich der vierten Weltkinderarbeitskonferenz der UN-Arbeitsorganisation ILO präsentiert.

Im Rahmen der Kampagne wurden 1.822 Mädchen und Buben zwischen fünf und 18 Jahren in Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Europa zu den Bedingungen befragt, unter denen sie arbeiten. In erster Linie gaben die Kinder an, dass sie respektvoll behandelt und in lokale, nationale und globale politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden wollen. „Arbeitende Kinder wurden bisher nie gefragt, was aus ihrer Sicht wichtig wäre, warum sie arbeiten und welche Träume sie haben. Dabei steht jedem Kind das Recht auf Teilhabe zu. Das Projekt Time to Talk gibt Kindern auf internationaler Ebene eine Stimme“, sagt Anne Jacob, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe in Deutschland und Mitglied im Steuerungskomitee von Time to Talk.

Kindernothilfe und Terre des Hommes stellen bei den Mädchen und Buben klare Positionen gegen ausbeuterische Formen von Kinderarbeit fest: „Die Kinder verurteilen ausbeuterische, gefährliche und gesundheitsgefährdende Beschäftigungen aufs Schärfste und fordern ein rigoroses Einschreiten von Gesetzgebung, Wirtschaft und Politik.“ Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, würden Kinder und Jugendliche aber auch positive Aspekte in der Kinderarbeit sehen: „Die meisten wollen ihre Eltern unterstützen, etwas zum Familieneinkommen beitragen oder selbst dafür Sorge tragen, dass sie sich ihre Ausbildung ermöglichen können.“ Viele Kinder seien zudem stolz auf den eigenen Verdienst und darauf, Lebenskompetenzen zu erlernen, die ihnen im Alltag helfen. Besonders wichtig sei den Kindern aber, dass sie leichte Tätigkeiten ausüben, gerecht entlohnt und respektvoll von Arbeitgebern und Erwachsenen behandelt werden. „Außerdem verlangen sie ausreichend Zeit zum Lernen und für die Freizeit“, heißt es vonseiten der Kinderrechtsorganisationen.

Kindernothilfe und Terre des Hommes verweisen auch auf aktuelle Zahlen der ILO: Weltweit arbeiten 152 Millionen Mädchen und Buben, davon 73 Millionen „unter ausbeuterischen Bedingungen“. 10 Millionen Kinder lebten „in sklavenähnlichen Verhältnissen.“

Laut Eigenaussage der ILO konnten die bis 2016 avisierten Zielsetzungen im Kampf gegen Kinderarbeit nach deutlichen Fortschritten in den Jahren 2000 bis 2012 nicht erreicht werden. Gemäß den Zielen der UN-„Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung haben sich UN-Mitgliedsstaaten und Arbeitgeberorganisationen auf die Eliminierung von Kinderarbeit bis 2025 verpflichtet.

Die Weltkinderarbeitskonferenz in Buenos Aires dauert noch bis Donnerstag, 16. November.

Nähere Informationen zur Kampagne finden Sie hier.

 

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ISSN 2222-2464