Theologie und Naturwissenschaft im Dialog

Tübinger Theologe Moltmann bei der Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster

Kremsmünster, 17. Juli 2003 (epd Ö) Das Verhältnis zwischen Theologie und Naturwissenschaft ist gekennzeichnet vom „Dilemma einer nichts sagenden Koexistenz“, obwohl einander die beiden Erkenntnisbereiche durchaus etwas zu sagen hätten. Darauf wies der Tübinger evangelische Theologe Jürgen Moltmann in seinem Referat über die „Wechselwirkung von Theologie und Naturwissenschaft“ bei der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster hin. Als Beispiel für Berührungspunkte nannte Moltmann das in genetischen Codes abgespeicherte Erbgut, das nichts anderes als ein in Jahrmillionen angesammeltes „Gedächtnis“ darstelle. Im Bauplan des Menschen und der Materie stecke offenbar eine „uralte Daseinsweisheit“, so Moltmann. Unter diesem Blickwinkel wäre Naturwissenschaft eher eine „Gedächtnisforschung“ und gar nicht so weit entfernt von den Erforschungen des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit, wie sie von den Geisteswissenschaften betrieben werde.

„Landkarten“ im Gehirn

Die Gehirnrinde des Menschen produziert in Abhängigkeit von der Lebenserfahrung und durch diese immer wieder veränderte „Landkarten“. Das ist nach den Worten des Ulmer Hirnforschers und Autors des Bestsellers „Geist im Netz“, Prof. Manfred Spitzer, eines der „bahnbrechenden Ergebnisse“ neurobiologischer Untersuchungen zum Verhältnis „von genetisch bedingter Entwicklung und umweltbedingten Lernprozessen“. „Wir verstehen heute prinzipiell sehr gut, wie Motivation, Emotionen und Aufmerksamkeitsprozesse das Lernen beeinflussen“, so Spitzer in seinen Ausführungen über „das Problem von Anlage und Umwelt aus der Sicht der Gehirnforschung“. Man könne gut nachvollziehen und es sich nutzbar machen, wie Nervenzellen bzw. Nervenzellverbände lernen, und welche Bedingungen diesem Lernen förderlich sind.

ISSN 2222-2464