Theologe Körtner: Kirchen an Freiheit messen

Ulrich Körtner: Es geht um die Zukunft des Christentums in einer säkularen und religiös pluralistischen Welt.
Ulrich Körtner: Es geht um die Zukunft des Christentums in einer säkularen und religiös pluralistischen Welt.

Das Evangelium sei eine Botschaft der Freiheit, die Krise der Römisch-katholischen Kirche eine „ökumenische Herausforderung“

Wien (epdÖ) – „Wozu sind Kirchen heute überhaupt noch gut?“, fragt der evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einem Gastkommentar, der am 26. September in der Tageszeitung „Die Presse“ erschienen ist.

An die evangelischen Kirchen sei die Frage zu richten, wie glaubhaft es ihnen gelingt, die Botschaft von der Freiheit zu bezeugen, schreibt Körtner. „Das ist ihre ökumenische Aufgabe der Stunde und der Dienst, den sie auch der römischen Schwesterkirche zu leisten hat, ohne aus ihrer Krise auf billige Weise Kapital schlagen zu wollen.“

Der Theologe erinnert daran, dass das Evangelium eine Botschaft der Freiheit und das Christentum eine Religion der Freiheit sei. „Alle Kirchen sind daran zu messen, inwieweit sie eine Institution der Freiheit sind.“ Die Reformation habe dies in Theorie und Praxis neu zur Geltung gebracht. Dies unterscheide den Protestantismus bis heute von der Römisch-katholischen Kirche.

„Kardinal Schönborn hat auf den Aufruf zum innerkirchlichen Ungehorsam entgegnet, Freiheit erwachse nur aus dem Gehorsam, wobei er den Gehorsam gegenüber Gott mit dem Gehorsam gegenüber den Bischöfen und menschlichen Satzungen verwechselt“, kritisiert Körtner. Die katholische Kirche würde sich in ihrer derzeitigen Situation in einer gesetzlichen Kasuistik verheddern und Lösungen für Probleme suchen, die sie selbst geschaffen habe.

Die tiefe Krise der Römisch-katholischen Kirche sei jedenfalls eine „ökumenische Herausforderung“ für alle Kirchen, gehe es doch um die Zukunft des Christentums in einer säkularen und religiös pluralistischen Welt. Kirchen seien unfähig, den Menschen die Botschaft Jesu zu bezeugen, solange es ihnen nur um ihren Fortbestand gehe, bemängelt Körtner.

ISSN 2222-2464